Top Themen

Steuerprozesse digital gestalten

Tax Technology: Definition, Tools und Anwendungen

Ein Mann berührt mit seiner Hand ein Tablet. Im Vordergrund sind neuronale Netze zu sehen. Bild: Peshkov von Getty Images via Canva.com
Was ist Tax Technology?

Tax Technology bezeichnet den Einsatz von Software und digitalen Technologien zur Unterstützung steuerlicher Prozesse. Sie umfasst Systeme und technische Ansätze, mit denen steuerliche Arbeitsschritte digital abgebildet, automatisiert oder datenbasiert unterstützt werden. Häufig wird dafür verkürzt der Begriff „Tax Tech“ verwendet.

Wo wird Tax Technology eingesetzt?

Tax Technology kommt überall dort zum Einsatz, wo steuerliche Daten verarbeitet, geprüft, ausgewertet oder an Behörden übermittelt werden. Typische Anwendungsfelder sind die automatisierte Verarbeitung von Belegen und Rechnungen, Umsatzsteuer- und Compliance-Prozesse, die Erstellung steuerlicher Berichte sowie die Analyse großer Datenbestände.

Auch bei gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen kommen Tax-Tech-Lösungen zum Einsatz. Unternehmen können steuerliche Daten aus ERP-Systemen zusammenführen, Prüfungen automatisieren oder Melde- und Dokumentationspflichten technisch unterstützen.

Welche Technologien gehören zu Tax Technology?

Je nach steuerlichem Prozess kommen unterschiedliche Systeme und technische Ansätze zum Einsatz. Dazu gehören insbesondere:

  • Prozessautomatisierung und Workflow-Systeme: für wiederkehrende Abläufe wie Datenerfassung, Prüfungen oder Freigaben
  • Künstliche Intelligenz: etwa für Dokumentenanalyse, Recherche oder die Klassifikation steuerlicher Daten
  • Datenanalyse und Datenvisualisierung: zur Auswertung steuerlich relevanter Daten und Kennzahlen
  • ERP- und Tax-Management-Systeme: zur Abbildung und Steuerung steuerlicher Prozesse
  • Schnittstellen und Datenintegration: für den Datenaustausch zwischen ERP-, Buchhaltungs- und Steuersystemen
  • Cloud-Anwendungen: für den systemübergreifenden Zugriff auf Daten und die Zusammenarbeit in Teams
  • digitale Compliance- und Reporting-Lösungen: zur Unterstützung von Prüf-, Melde- und Dokumentationspflichten
Welche Vorteile bietet Tax Technology für Kanzleien und Steuerabteilungen?

Der Nutzen von Tax Technology hängt stark davon ab, welcher steuerliche Prozess unterstützt wird. Besonders sinnvoll ist der Einsatz dort, wo regelmäßig große Datenmengen verarbeitet, Informationen zwischen verschiedenen Systemen übertragen oder wiederkehrende Prüfungen durchgeführt werden.

In Steuerkanzleien können digitale Lösungen beispielsweise die Belegverarbeitung, Buchhaltung, Erstellung von Meldungen oder Zusammenarbeit mit Mandantinnen und Mandanten unterstützen. Daten müssen seltener manuell übertragen werden, standardisierte Arbeitsschritte lassen sich automatisieren und Informationen können direkt aus vorgelagerten Systemen übernommen werden. Das entlastet insbesondere Prozesse, die regelmäßig nach einem ähnlichen Muster ablaufen.

Steuerabteilungen profitieren vor allem bei datenintensiven und systemübergreifenden Aufgaben. Tax-Technology-Lösungen können Daten aus ERP-, Finance- und Vorsystemen zusammenführen, steuerliche Prüfungen unterstützen und Informationen für Meldungen oder Reports aufbereiten. Auch Kontrollen und Freigaben lassen sich in digitale Workflows integrieren.

Tax Technology in der Praxis: Automatisierung der Umsatzsteuervoranmeldung

Wie Tax Technology einen steuerlichen Prozess konkret unterstützen kann, zeigt die Umsatzsteuervoranmeldung. In Steuerkanzleien müssen dafür regelmäßig Belege und Buchungen verarbeitet, Umsatzsteuerbeträge geprüft und die für die Meldung erforderlichen Daten zusammengestellt werden. Mehrere dieser Arbeitsschritte lassen sich technisch unterstützen oder automatisieren.

1

Daten digital zusammenführen

Belege, Rechnungen und Buchungsdaten werden digital erfasst und in die für die weitere Verarbeitung genutzten Systeme übernommen. Schnittstellen zu Buchhaltungs- oder Vorsystemen können dabei helfen, manuelle Übertragungen und Medienbrüche zu reduzieren.

2

Belege und Buchungen verarbeiten

Software kann Informationen aus Belegen auslesen, Buchungsvorschläge erstellen und Umsatzsteuerbeträge den entsprechenden Steuersätzen zuordnen. Prüfregeln können zusätzlich auf fehlende Angaben, Abweichungen oder mögliche Fehler hinweisen.

3

Umsatzsteuervoranmeldung vorbereiten

Die verarbeiteten Daten werden für die Voranmeldung zusammengeführt und geprüft. Je nach eingesetzter Lösung können einzelne Schritte bis hin zur elektronischen Übermittlung technisch unterstützt werden. Vor der Abgabe bleibt zu klären, welche Kontrollen und Freigaben durch Mitarbeitende erforderlich sind.

4

Manuelle Arbeit verlagert sich auf Prüfung und Freigabe

Mit zunehmender Automatisierung verschiebt sich die Arbeit von der manuellen Datenerfassung hin zur Kontrolle von Ausnahmen und Ergebnissen. Dafür müssen Datenqualität, Schnittstellen, Prüfregeln und Verantwortlichkeiten im Prozess eindeutig definiert sein.

Welche Tax-Technology-Tools und Software gibt es?

Der Markt für Tax-Technology-Software reicht von breit einsetzbaren Plattformen bis zu spezialisierten Lösungen für einzelne steuerliche Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise Systeme für Buchhaltung und Belegverarbeitung, Umsatzsteuer, Tax Compliance, Datenanalyse, Reporting oder steuerliche Dokumentation.

Für die Auswahl ist weniger entscheidend, wie viele Funktionen eine Software bietet, sondern ob sie zum konkreten steuerlichen Prozess passt. Wichtige Fragen sind zum Beispiel:

  • Welche Aufgabe soll die Lösung unterstützen oder automatisieren?
  • Welche bestehenden Systeme müssen angebunden werden?
  • Welche Daten werden verarbeitet und wie zuverlässig sind diese verfügbar?
  • Welche Prüf-, Dokumentations- oder Freigabeschritte müssen abgebildet werden?
  • Welche Anforderungen bestehen an Datenschutz, Berechtigungen und Nachvollziehbarkeit?

Tax-Technology-Lösungen im Überblick
Eine Übersicht verschiedener Lösungen bietet auch tax&bytes: Tools.

→ ZU DEN TOOLS

Welche Jobs gibt es im Bereich Tax Technology?

Tax Technology verbindet steuerliches Fachwissen mit Technologie, Daten und Prozessgestaltung. Entsprechende Rollen finden sich vor allem in Steuerabteilungen, Beratungsgesellschaften und bei Softwareanbietern. Die genaue Bezeichnung unterscheidet sich je nach Unternehmen und Aufgabenbereich.

  • Tax Technology Consultant: analysiert steuerliche Prozesse, unterstützt bei der Auswahl und Einführung von Software und begleitet Automatisierungs- oder Digitalisierungsprojekte. Häufig arbeitet die Rolle an der Schnittstelle zwischen Steuerabteilung, IT und externen Anbietern.
  • Tax Technology Manager: verantwortet Tax-Technology-Projekte oder ganze Technologieportfolios innerhalb einer Steuerfunktion. Dazu können die Steuerung von Implementierungen, die Weiterentwicklung bestehender Systeme und die Abstimmung mit Tax, Finance und IT gehören.
  • Tax Data Analyst: wertet steuerlich relevante Daten aus, entwickelt Analysen und unterstützt bei der Aufbereitung von Daten für Reporting, Compliance oder Kontrollen. Je nach Aufgabe kommen dabei beispielsweise SQL, Python oder Datenvisualisierungstools zum Einsatz.

Daneben gibt es weitere Rollen, etwa in der Entwicklung steuerlicher Software, im Projekt- und Prozessmanagement oder im Change Management. 

Der Einstieg in Tax Technology erfolgt deshalb über unterschiedliche Wege. Neben steuerlichen Studiengängen und Ausbildungen kommen auch Qualifikationen in IT, Data Science oder Wirtschaftsinformatik infrage.

Welche Kompetenzen sind im Bereich Tax Technology gefragt?

Für Tätigkeiten im Bereich Tax Technology sind je nach Rolle unterschiedliche fachliche und technische Kenntnisse erforderlich. Besonders häufig gefragt sind vier Kompetenzbereiche:

  • Steuerliches Fach- und Prozesswissen: Wer Tax-Technology-Lösungen entwickelt, auswählt oder einführt, sollte die zugrunde liegenden steuerlichen Abläufe verstehen. Je nach Aufgabenbereich können Kenntnisse etwa in Buchhaltung, Umsatzsteuer, Tax Compliance oder internationalem Steuerrecht erforderlich sein. Ebenso wichtig ist zu verstehen, an welchen Stellen Daten entstehen, geprüft, weiterverarbeitet oder an andere Systeme übergeben werden.

  • Technologie- und Datenkompetenz: Kenntnisse im Umgang mit ERP-, Buchhaltungs- oder Tax-Systemen helfen dabei, technische Anforderungen einzuordnen und Schnittstellen zwischen verschiedenen Anwendungen zu verstehen. Für datenintensive Rollen können zusätzlich SQL, Python oder Werkzeuge zur Datenanalyse und -visualisierung relevant sein. Programmierkenntnisse sind jedoch nicht für jede Tax-Technology-Rolle zwingend erforderlich.

  • Projekt- und Schnittstellenkompetenz: Tax-Technology-Projekte betreffen häufig mehrere Bereiche gleichzeitig. Steuerabteilung, Finance, IT, externe Beratung und Softwareanbieter müssen Anforderungen abstimmen und Entscheidungen gemeinsam umsetzen. Deshalb sind Projektmanagement, die verständliche Übersetzung fachlicher Anforderungen in technische Anforderungen und eine klare Kommunikation besonders wichtig.

  • Verständnis für Governance und Kontrollen: Automatisierte Prozesse müssen fachlich nachvollziehbar bleiben. Fachkräfte sollten deshalb auch Anforderungen an Berechtigungen, Dokumentation, Datenschutz, Freigaben und Kontrollen berücksichtigen können.

Die erforderlichen Kompetenzen müssen nicht vollständig in einer Person gebündelt sein. Gerade bei größeren Tax-Technology-Projekten arbeiten steuerliche, technische und datenbezogene Fachrollen zusammen.

Welche Unternehmen bieten Tax-Technology-Lösungen an?

Im Bereich Tax Technology sind unterschiedliche Anbieter aktiv. Dazu gehören Beratungsgesellschaften, Hersteller steuerlicher Spezialsoftware sowie Anbieter von ERP- und Unternehmenssoftware. Welche Unternehmen relevant sind, hängt davon ab, ob Unterstützung bei Strategie und Implementierung, eine Lösung für einen bestimmten Steuerprozess oder eine technische Plattform gesucht wird.

Große Beratungsgesellschaften wie Deloitte, PwC, EY und KPMG begleiten Unternehmen beispielsweise bei der Digitalisierung von Steuerfunktionen, der Auswahl und Einführung von Systemen oder der Automatisierung steuerlicher Prozesse. Häufig arbeiten dabei Steuer-, Prozess- und Technologieexpertinnen und -experten gemeinsam an der Umsetzung.

Daneben gibt es spezialisierte Softwareanbieter für einzelne steuerliche Aufgaben und Compliance-Prozesse. Beispiele sind Thomson Reuters mit ONESOURCE, Vertex, Avalara, Taxdoo oder Sovos. Ihre Lösungen adressieren unter anderem Umsatzsteuer, steuerliches Reporting, internationale Meldepflichten oder die Verarbeitung steuerrelevanter Transaktionsdaten.

Auch Anbieter von ERP- und Unternehmenssoftware spielen eine wichtige Rolle. Systeme wie SAP bilden häufig die Datenbasis für steuerliche Prozesse und können durch spezielle Tax-Lösungen, Erweiterungen oder Schnittstellen ergänzt werden.

Einen Überblick über verschiedene Lösungen und Anbieter bietet tax&bytes: Tools.

Wie kann man sich im Bereich Tax Technology weiterbilden?

Weiterbildung im Bereich Tax Technology kann unterschiedliche Schwerpunkte haben, etwa Datenanalyse, Automatisierung, ERP-Systeme, Künstliche Intelligenz oder Tax Compliance. Welche Themen besonders relevant sind, richtet sich nach dem eigenen Aufgabenbereich.

Eine Möglichkeit bieten Fachkonferenzen wie die Tax Technology Conference oder die Tax Operations Konferenz. Während bei der Tax Technology Conference technologische Entwicklungen und Anwendungen im Steuerbereich im Vordergrund stehen, verbindet die Tax Operations Konferenz Strategie-, Technologie- und Organisationsthemen für moderne Steuerabteilungen. Daneben gibt es spezialisierte Lehrgänge, Seminare und Zertifikatsprogramme.

TIPP: Aktuelle Konferenzen, Seminare und weitere Veranstaltungen rund um Tax Technology und die Digitalisierung im Steuerrecht finden Sie auch im Eventkalender von tax&bytes.

FAZIT

Für Kanzleien und Steuerabteilungen beginnt der sinnvolle Einsatz von Tax Technology bei einem konkreten Prozess. Wo entstehen manuelle Übertragungen, wiederkehrende Prüfungen oder Medienbrüche? Welche Daten und Systeme sind daran beteiligt? Aus diesen Fragen lassen sich Anforderungen an Automatisierung, Schnittstellen, Kontrollen und Software ableiten.

Damit verschiebt sich auch die Arbeit von Fachkräften. Prozessverständnis, Datenkompetenz und technisches Know-how werden wichtiger, weil steuerliche Anforderungen zunehmend in digitalen Systemen und Workflows umgesetzt werden müssen.

Keiper Prozess Beitrag 1920X1080px
Ein Prozess ist mehr als seine Beschreibung

Prozessmanagement in Steuerkanzleien: 6 typische Fehler

Dokumentiert heißt noch lange nicht gelebt: Sechs typische Fehler zeigen, warum Prozesse in Steuerkanzleien im Alltag scheitern – und wie sie sich nachhaltig verankern lassen.

Hossainzadeh BLOG 1920X1080px
SPONSORED POST

KI-Buchhaltung vor der DATEV: Was Kanzleien automatisieren können

Wie KI-Buchhaltung als Vorsystem vor DATEV funktioniert: docunest zeigt, welche Buchhaltungsprozesse Kanzleien automatisieren können – und wo menschliche Prüfung notwendig bleibt.

1999 Follower NEWS 1920X1080px
LinkedIn-Kanal wächst weiter

Version 2.000 – Wird unser LinkedIn-Kanal agentisch?

Unser LinkedIn-Kanal steht kurz vor 2.000 Followern. Grund genug für ein kleines Update: Diesmal geht es um KI-Agenten, unsere wachsende Community und die Frage, wer den 2.000. Follower komplett macht.