FinAssist.NRW: Praxistest in Finanzämtern

NRW setzt auf eigene KI für sensible Steuerdaten

Illustration eines KI-Kopfes als Symbol für Praxistest. Bild: @finanzverwaltung.nrw.de

Nordrhein-Westfalen startet den Praxistest seiner selbst entwickelten KI-Plattform „FinAssist.NRW”. Seit Juni 2026 wird die Lösung in den Finanzämtern Solingen, Oberhausen-Nord und Gütersloh unter realen Bedingungen eingesetzt. Nun beginnt der Testbetrieb auch im Ministerium der Finanzen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Plattform und in die schrittweise Ausweitung des Praxistests einfließen.

Mit FinAssist.NRW setzt die Finanzverwaltung bewusst auf digitale Souveränität. Anstatt sensible Steuerdaten über externe KI-Dienste zu verarbeiten, wird die Lösung vollständig im eigenen Rechenzentrum entwickelt und betrieben. Dabei kommen frei verfügbare Software und offene Standards zum Einsatz, die gezielt an die Anforderungen der Finanzverwaltung angepasst werden.

Datenschutz und Kontrolle im Fokus

Ein wesentlicher Unterschied zu extern betriebenen KI-Angeboten liegt in der technischen Architektur. Personenbezogene Daten, interne Informationen und Steuerdaten verbleiben innerhalb der Infrastruktur der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Sie verlassen den geschützten Bereich nicht und werden auch nicht für das Training von KI-Modellen verwendet.

Damit behält die Finanzverwaltung die Kontrolle über die eingesetzten Systeme, die Verarbeitungsprozesse und die sensiblen Daten. Zugleich soll FinAssist.NRW so ausgestaltet werden, dass Beschäftigte KI auch in Bereichen nutzen können, in denen externe Anwendungen aufgrund datenschutzrechtlicher oder sicherheitsbezogener Anforderungen nicht infrage kommen.

Dr. Marcus Optendrenk

Dr. Marcus Optendrenk

Minister der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen

Für die Verarbeitung von sensiblen Daten entwickeln wir passgenaue Werkzeuge selbst. Wichtig ist, dass der Mensch die Verantwortung trägt – die KI assistiert nur bei Routineaufgaben.
Unterstützung im Verwaltungsalltag

FinAssist.NRW soll die Beschäftigten künftig bei verschiedenen Aufgaben unterstützen. Die Anwendung kann interne Dokumente analysieren und zusammenfassen, Entwürfe für Texte erstellen, E-Mail-Verläufe strukturieren und daraus Aufgabenlisten ableiten. Hinzu kommen Funktionen zur Transkription gesprochener Sprache sowie zur automatisierten Texterkennung aus Dokumenten und handschriftlichen Notizen.

Zum Auftakt der Testphase fanden in den beteiligten Finanzämtern Workshops zum praktischen Einsatz von KI statt. Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungsfälle, Regeln für den Umgang mit dienstlichen Informationen und die effektive Nutzung der neuen Technologie.

Nach einer erfolgreichen Evaluation sollen im Laufe des Jahres weitere Finanzämter und Behörden in den Testlauf einbezogen werden. Parallel dazu baut Nordrhein-Westfalen die technische Infrastruktur weiter aus. Dazu gehört auch die Bereitstellung zusätzlicher, leistungsfähiger KI-Hardware am neuen Rechenzentrumsstandort in Kaarst bei Düsseldorf.

HINWEIS

Weiterführende Informationen stellt die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen auf ihrer Webseite bereit.

Quelle:
Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 27.07.2026

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