Verdiente Anerkennung

Steuerfachwirt auf Augenhöhe mit dem Bachelor

Doktorhut liegt auf Bücherstapel vor Tafel mit mathematischen Formeln Bild: @MOUNT PHTOGRAPHY via canva.com

Ein Beitrag von Stephan Mittelhäuser

Steuerfachwirte übernehmen in vielen Beratungshäusern komplexe Aufgaben. Häufig treiben sie auch die Digitalisierung voran. Die Aufnahme der Fortbildung in den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) ist ein wichtiges Signal: Steuerfachwirte sind zentrale Akteure der Beratung.

Stephan Mittelhäuser

Stephan Mittelhäuser

Fachredakteur, Leiter @JUVE Steuermarkt

Mit der Einstufung auf DQR-Niveau 6 steht die Fortbildung zum Steuerfachwirt nun auf einer Stufe mit einem akademischen Bachelor. Lange hatte sich die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) dafür eingesetzt. Zentrales Argument: Steuerfachwirte leisten hochqualifizierte Arbeit, die sich in Anspruch und Verantwortung häufig auf Augenhöhe mit Hochschulabsolventen befindet.

Tatsächlich übernehmen Steuerfachwirte in vielen Beratungshäusern eine wichtige Rolle. Als spezialisierte Fachkräfte bearbeiten sie eigenständig komplexe steuerliche Aufgaben und begleiten Mandanten umfassend – nicht selten als rechte Hand des Steuerberaters. Oft übernehmen sie auch eine wichtige Rolle bei der Kanzleiorganisation.

Und: Häufig sind Steuerfachwirte wichtige Akteure der digitalen Transformation. Sie nutzen regelmäßig digitale Tools und setzen sie gezielt ein, um Workflows zu optimieren. Als Multiplikatoren geben sie ihr digitales Wissen an die Teams weiter – und unterstützen Mandanten bei der Umstellung auf digitale Prozesse. Bei vielen wichtigen Digitalthemen, zum Beispiel der E-Rechnung, kommt dies zum Tragen. 

Schwer zu finden

Verlässliche Angaben zur Gesamtzahl der Steuerfachwirte in Deutschland gibt es nicht. Sie werden in den Mitgliederstatistiken der Kammern nicht separat erfasst. Bleibt ein Blick in die Prüfungsstatistik. Hier zeigt sich, wie anspruchsvoll die Fortbildung ist.

Die Steuerberaterkammer Köln weist für das vergangenen Jahr 49 Prüflinge mit bestandener Fortbildung zum Steuerfachwirt aus. In Hamburg waren es lediglich 29 erfolgreiche Prüflinge. Etwas besser sehen die Zahlen in Niedersachsen aus. Dort bestanden 76 Teilnehmende die Prüfung. Allerdings: Die Durchfallquote liegt in allen Kammern bei rund 50 Prozent – also ähnlich hoch wie beim Steuerberaterexamen.

Die Folge: Steuerfachwirte sind echte Mangelware. Wer die Fortbildung geschafft hat, findet auf Jobportalen jede Menge Stellenangebote – häufig mit Fokus auf Digitalisierung und Prozessoptimierung. Viele Beratungshäuser berichten: Längst sei es genauso schwierig, gute Steuerfachwirte zu finden wie Steuerberater.

Auch das zeigt: Die DQR-Einstufung des Steuerfachwirts ist mehr als Symbolik. Mit ihr gewinnt die Fortbildung an Attraktivität. Gleichzeitig sendet sie eine wichtige Botschaft: Steuerfachwirte haben eine fundierte, anspruchsvolle Ausbildung absolviert und verdienen die gleiche Anerkennung wie akademisch ausgebildete Fachkräfte – vor allem dann, wenn sie ihr steuerliches Know-how in Kombination mit digitalen Kompetenzen einsetzen.

Fortbildung Steuerfachwirt und Deutscher Qualifikationsrahmen

Die Fortbildung zum Steuerfachwirt qualifiziert für gehobene Aufgaben in der Steuerberatung. Neben der Lohn- und Finanzbuchhaltung befassen sich Steuerfachwirte mit Steuererklärungen, Jahresabschlüssen oder betriebswirtschaftlichen Fragen der Mandanten. Das Niveau der Prüfung liegt deutlich über dem der Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Für viele ist die Steuerfachwirt-Prüfung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Steuerberaterexamen.

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ist ein Instrument zur Einordnung der Qualifikationen des deutschen Bildungssystems. Er soll die Orientierung im deutschen Bildungssystem erleichtern und zur Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen. Der DQR definiert 8 Niveaus, die den 8 Niveaus des Europäischen Qualifikationsrahmens entsprechen. Verantwortlich für die Entwicklung des DQR sind das Bildungsministerium sowie die Kultusministerkonferenz.

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