Orientierung statt Tool-Debatte

DStV startet Artikelserie zur Zukunft von Kanzleien

Bauklötze, die eine Treppe nach oben bilden. Bild: @Madalina Todica via canva.com

Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hat eine sechsteilige Artikelserie zur Zukunftsfähigkeit von Steuerkanzleien gestartet. Unter dem Titel „Zukunft gestalten. Welche Entscheidungen prägen die Zukunft Ihrer Kanzlei?“ beleuchten Luisa Stalla, Managerin Digitale Transformation beim DStV, und Ulf Hausmann, geschäftsführender Gesellschafter der Kanzleipakt GmbH, zentrale Führungsfragen im Wandel und unterstützen Kanzleien bei ihrer Weiterentwicklung.

Im Mittelpunkt steht nicht die nächste Softwareentscheidung. Die Serie fragt grundsätzlicher: Wie verändert sich Kanzleiführung, wenn Technologie, KI, Mandantenanforderungen und neue Formen der Wertschöpfung gleichzeitig in Bewegung geraten? 

Die Beiträge betrachten die Zukunftsfähigkeit von Kanzleien aus sechs Perspektiven: 

1.Orientierung geben - Wie geben wir uns Orientierung? 

2. Strategie entwickeln -  Welche Entscheidungen bleiben bei uns? 

3. Zusammenarbeit gestalten - Wie organisieren wir Zusammenarbeit? 

4. Wertschöpfung erbringen -  Was verstehen wir unter Wert? 

5. Wirkung aufzeigen - Woran erkennen wir Wirkung? 

6. Veränderung meistern - Wie gestalten wir Veränderung? 

Schon die Einführung macht deutlich: Digitalisierung ist mehr als Prozessoptimierung. Kanzleien müssen einordnen, welche Entwicklungen relevant sind und welche Entscheidungen auf ihre Zukunftsfähigkeit einzahlen. 

Teil 1: Orientierung geben 

Der erste Teil der Serie widmet sich der Frage der Orientierung. Viele Kanzleien beschäftigen sich derzeit mit KI, Automatisierung und neuen Tools. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz, wenn Technologie nur als Mittel zur Effizienzsteigerung verstanden wird. Denn KI verändert nicht nur Arbeitsschritte. Sie verändert auch, welche Leistungen künftig automatisiert erbracht werden, welche Aufgaben Menschen übernehmen und worin die Mandantschaft den Nutzen der Beratung sieht. 

Damit wird Digitalisierung zur Geschäftsmodellfrage. Die Finanzbuchhaltung kann sich etwa von einer Bearbeitungsaufgabe zur Datenbasis für unternehmerische Steuerung entwickeln. Der Wert der Kanzlei verschiebt sich, wenn Mandant:innen früher, laufender und entscheidungsorientierter begleitet werden möchten. 


Erfahrung reicht nicht mehr allein 

Ein zentrales Motiv der Serie lautet deshalb: Erfahrung bleibt wichtig, reicht aber nicht mehr allein. Bisher konnten viele Führungsentscheidungen aus Fachlichkeit, Routine und gewachsenen Erfahrungswerten abgeleitet werden. In der aktuellen Veränderung greifen diese Muster nur noch begrenzt, weil sich Technologie, Datenverfügbarkeit, Mitarbeitendenrollen, Honorarlogiken und Mandantenbedürfnisse gleichzeitig verschieben. 

Orientierung bedeutet für Kanzleien, die digitale Transformation nicht allein als Effizienz- oder Toolfrage zu verstehen. KI und Automatisierung verändern nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern auch die Frage, welche Leistungen künftig Wert schaffen, welche Rollen Menschen übernehmen und welchen Nutzen Mandanten erwarten. Damit wird Digitalisierung zur Geschäftsmodellfrage: Wert entsteht weniger durch reine Bearbeitung, sondern stärker durch Einordnung, Steuerung und die Verbindung von Daten, Technologie und fachlichem Verständnis. 

Ulf Hausmann

Es reicht nicht mehr, auf Basis dessen zu entscheiden, was bisher funktioniert hat. Führung muss lernen, Entwicklungen zu bewerten, für die es noch keine abgesicherten Erfahrungswerte gibt.

Erfahrung bleibt dabei wichtig, reicht aber als alleiniger Orientierungspunkt nicht mehr aus. Weil sich Technologie, Mandantenbedürfnisse, Mitarbeitendenrollen, Datenverfügbarkeit und Marktstrukturen gleichzeitig verändern, braucht Kanzleiführung neue Denkrahmen und bewusste Entscheidungen. Orientierung schafft den Rahmen, um Entwicklungen einzuordnen, Prioritäten sichtbar zu machen und Verantwortung zu übernehmen: Orientierung beantwortet nicht alle strategischen Fragen. Doch sie entscheidet darüber, ob eine Kanzlei überhaupt in der Lage ist, die richtigen Fragen zu stellen. Fragen können bspw. sein: 

Welche Leistungen Ihrer Kanzlei werden in drei bis fünf Jahren noch durch Bearbeitung wertvoll sein – und welche durch Einordnung, Steuerung oder Gestaltung?
Welche Kompetenzen fehlen auf Führungsebene, um KI, Automatisierung und neue Wertschöpfung sicher einzuordnen?
Wo schaffen Sie regelmäßig Raum, um nicht nur operative Themen zu lösen, sondern die Entwicklung der Kanzlei bewusst zu führen?

HINWEIS

Alle weiteren Fragen sowie die Einführung zur Artikelserie und den vollständigen ersten Beitrag „Orientierung geben, wenn Erfahrung allein nicht mehr reicht“ stehen auf der Website des Deutschen Steuerberaterverbands zum Download bereit. Die weiteren Teile der Serie werden nach und nach 2026 veröffentlicht und dort ergänzt. 

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