Steuerliche Beratungspraxis

Erbschaftsteuerliche Besonderheiten bei Kryptowerten in der Vermögensnachfolge

Drei Kryptomünzen (Bitcoin, Ethereum, Litecoin) vor einem Diagramm. Bild: @DS stories von Pexels via canva.com

Ein Beitrag von Dietrich Loll

Angesichts der steigenden Beliebtheit von Kryptowerten als Anlage- und Spekulationsobjekt, zeigt sich in der steuerlichen Beratungspraxis zunehmend ein erhöhter Beratungsbedarf seitens der Mandanten in diesem Bereich. Steuerliche Fragen rund um die Vermögensnachfolge, insbesondere bei einem Erbfall, sind weder in der Praxis noch in der Fachliteratur tiefgehend diskutiert, geschweige denn geklärt (genaue Ausführungen zu den Grundbegriffen „Krypto-Assets/Token“ u. a. bei Figatowski, NWB 32/2019 S. 2352 ; Figatowski/Feser, NWB 10/2022 S. 705 ).

Erbschaftsteuerpflicht

Zunächst ist klärungsbedürftig, ob in Deutschland überhaupt eine Schenkung-/Erbschaftsteuerpflicht entsteht, wenn sich der Kryptowert irgendwo im virtuellen Raum auf einer Blockchain befindet. Sind Erblasser/Schenker oder der Erwerber Inländer, ist wohl von einer unbeschränkten deutschen Steuerpflicht auszugehen.

Sind die Token offensichtlich nicht in der sog. Wallet gespeichert, sondern auf einer Blockchain, stellt sich die Frage, was die Erbschaftsteuer auslöst. Das Problem ist hier, dass das Krypto-Asset selbst gar nicht direkt übertragen werden kann, sondern z. B. nur die Wallet. Solange der Erwerber dadurch vollen Zugriff auf den Private Key erhält, sollte das ausreichen.

Erbschaftsteuerliche Wertermittlung

Mit welchem Wert sind die Kryptowerte für Schenkung-/Erbschaftsteuerzwecke anzusetzen? Das ist keine ganz triviale Frage, da es gerade im Kryptobereich sehr viele, sehr stark schwankende Werte an vielen verschiedenen Handelsplätzen geben kann. Welcher Wert zu welchem Zeitpunkt darf dann berücksichtigt werden? Kann es zu Unterschieden kommen, wenn die Token im Privat- oder Betriebsvermögen gehalten werden?

Für diese Fragestellungen gibt es noch keine handfesten Vorgaben für die Praxis, obwohl dies hier besonders vonnöten wäre. Im Ergebnis wird es richtig sein, den gemeinen Wert anzusetzen. Um diesen schnell und einfach ermitteln zu können, wird für handelbare Token empfohlen, den niedrigsten Wert des Schenkungs-/Todestags anzusetzen. Bei nicht gehandelten Krypto-Assets oder Unikaten, wie NFT, bedarf es jedoch einer Schätzung des Werts.

Erbschaftsteuerbefreiungen

Schließlich ist zu prüfen, ob eine Steuerbefreiung für die Übertragung von Kryptowerten im Privat- oder Betriebsvermögen zur Anwendung kommt. Als Bezugsobjekte für eine Erbschaftsteuerbefreiung könnten beispielsweise in Betracht kommen:

  • virtuelle Immobilien (selbstbewohnte digitale Familienheime oder das fremdvermietete virtuelle Gebäude)

  • wertvolle virtuelle Kleidung (sog. Skins), § 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG;

  • Kryptokunstwerke, § 13 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 ErbStG.

FAZIT

Im Bereich der Krypto-Assets ist zurzeit lediglich klar, dass Currency-Token nach Auffassung des IX. Senats des BFH für ertragsteuerliche Zwecke als immaterielle Wirtschaftsgüter anzusehen sind. Ob der für die Erbschaftsteuer und Bewertung zuständige II. Senat dies ebenfalls so sieht, bleibt abzuwarten. Bei allen anderen steuerlichen Fragestellungen rund um Kryptowerte gibt es überhaupt noch keine Klarheit und stattdessen viele Diskussionen mit offenem Ausgang.

____________________________________________

Dies ist eine Kurzfassung des Beitrages aus BBK 2025 Seite 34

SNEAK 👀 – Exklusiv bei tax&bytes! Lesen Sie den Artikel jetzt kostenlos und in voller Länge in der NWB-Datenbank 🤫

   → BEITRAG

Pennylane NEWS 1920X1080px
175 Mio. Euro für Expansion nach Deutschland

Pennylane fordert DATEV im deutschen Markt heraus

Das französische Fintech Pennylane sammelt 175 Millionen Euro ein und startet die Expansion nach Deutschland. Mit einer cloudbasierten Finanzplattform und KI Funktionen will das Unternehmen Marktanteile vom etablierten Anbieter DATEV gewinnen.

Fight4 RECAP 1920X1080px
Recap: FIGHT #4

Kompetenzen & Technologie: Was macht Steuerprofis zukunftsfähig?

tax&bytes.FIGHT #4: Welche Kompetenzen machen Steuerprofis wirklich zukunftsfähig und welche Technologie krempelt Kanzleien nachhaltig um? Zwischen Unternehmergeist, Datenverständnis und KI-Co-Piloten zeigt die Debatte: Nicht Einzellösungen entscheiden, sondern das strategische Zusammenspiel.

NEO Talk 1920X1080px
PwC & NWB im Interview

Wie NWB NEO den Kanzleialltag beschleunigt

Im Gespräch mit Franz Steuer und Victoria Willcox-Heidner steht NWB NEO im Fokus, die KI Plattform für den steuerlichen Workflow. Memo und Secretary beschleunigen Sachverhaltsaufnahme, Recherche und Dokumentation. New Taxwork bringt mehr Tempo, Qualität und wirtschaftliche Planbarkeit.