JUVE Steuerexperten-Umfrage

Einfluss der Digitalisierung in Steuerfunktionen wird kleiner

Notizbuch mit Stift, Brille auf Laptop und Kaffeetasse auf Holztisch. Bild: @Flo von Getty Images via canva.com

Ein Beitrag von Daniel Lehmann

Die Ergebnisse der diesjährigen JUVE Steuermarkt-Inhouse-Umfrage überraschen: Der Einfluss der Digitalisierung ist im Drei-Jahres-Vergleich gesunken. Es lohnt sich allerdings, genauer hinzuschauen.

Die Bedeutung der Digitalisierung spiegelt sich auch in der JUVE Steuermarkt-Inhouse-Umfrage wider: Für die Hälfte der Teilnehmenden zählt sie zu den größten Herausforderungen für die Arbeit der Steuerteams in den kommenden Jahren. Allerdings: Von einem großen oder sehr großen Einfluss auf die tägliche Arbeit berichten insgesamt nur 40 Prozent. In den Vorjahren waren es noch 52 Prozent (2023) beziehungsweise 42 Prozent (2022).

Der gesunkene Wert ermöglicht zwei Lesarten: In vielen Steuerfunktionen ist die Digitalisierung bereits so weit fortgeschritten, dass sie im Bewusstsein der Teilnehmenden normaler Teil des Arbeitsalltags geworden ist.

Oder andersherum: Die Digitalisierung hat es noch nicht wirklich ins Bewusstsein einiger Steuerverantwortlicher geschafft. Ein weiterer möglicher Grund: Unterschiedliche Definitionen, was ‚Digitalisierung der Steuerfunktion‘ bedeutet. Für den einen ist die Datev-Schnittstelle bereits eine smarte Digitalstrategie. Für den anderen gewinnt das Thema Digitalisierung vielleicht erst jetzt an Relevanz – nicht zuletzt durch die Zunahme künstlicher Intelligenz.

Was aber auch zur Wahrheit gehört: Nur etwas mehr als jeder zehnte Umfrageteilnehmende hat angegeben, dass die Digitalisierung keinen oder wenig Einfluss auf die Arbeit der eigenen Steuerfunktion hat.

💻 Digitalexperten werden wichtiger

In den meisten Steuerabteilungen ist die digitale Transformation bereits angekommen.  Haupttreiber hierfür sind die stetig wachsenden Datenmengen, die verarbeitet werden müssen, sowie steigende Anforderungen an die Daten – seitens der Unternehmensführung und auch der Finanzverwaltung.

Aber: Viele Steuerteams sind beim Thema Digitalisierung nicht so weit, wie sie gerne wären. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Gründe. So haben einige Steuerleitende angesichts des riesigen Angebots an digitalen Lösungen den Überblick verloren.

Auch deshalb steht die Entwicklung eigener Tools bei vielen Umfrageteilnehmenden ganz oben auf der Agenda, und das bereits seit einigen Jahren auf konstantem Niveau.

In den vergangenen drei Jahren haben gut zwei Drittel der Umfrageteilnehmenden angegeben, eigene Softwarelösungen in der Steuerfunktion zu nutzen. Sprich: Tools, die exklusiv und explizit für die Steuerabteilungen gedacht sind. Nur: Das kostet Zeit, Geld und Kapazitäten.

🛠️ "Do it yourself" ist angesagt

Manche Unternehmen schauen sich deshalb immer stärker und sehr
gezielt am Markt um: „Wir haben extra einen Mitarbeiter eingestellt, der zwar einen kaufmännischen Hintergrund hat, aber kein steuerliches Spezialwissen. Er soll für die Steuerabteilung sicherstellen, dass alle denkbaren Prozesse automatisiert werden“, sagt ein Umfrageteilnehmer. „Die nächste offene Stelle dürfte (auch) als Tax Technology Officer ausgeschrieben werden“, berichtet ein anderer.

Knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmenden haben zuletzt angegeben, einen Digitalexperten eingestellt zu haben. Vor zwei Jahren waren es nur 14 Prozent. ,Do it yourself‘ ist also angesagt. Die Krux: Auch in Bezug auf diese wichtigen Digitalexperten herrscht natürlich Fachkräftemangel – neben den seit Jahren üblichen Lücken, die fehlende Steuerfachangestellte und Steuerberatende ohnehin reißen.
Kann (oder darf, etwa aus Budgetgründen) eine Inhouse-Stelle nicht besetzt werden, müssen die Verantwortlichen also zwangsläufig über Tax Tech nachdenken.

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Dies ist ein Auszug aus der Ausgabe JUVE Steuermarkt Inhouse 2025/April



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