Recap: FIGHT #2

Steuerrecht & Software: Welche Reform, welche Zusammenarbeit?

Vier Personen im Boxoutfit mit roten Handschuhen vor einem Ring und Schriftzug Bild: @tax&bytes

Die Digitalisierung im Steuerrecht schreitet voran, jedoch nicht überall im gleichen Tempo. Zwischen neuen Softwarelösungen, alten Gesetzen und föderaler Bürokratie entstehen Reibungsflächen. Genau darum ging es in der zweiten Episode von tax&bytes.FIGHTS.

Im Studio traten Daniel Hanemann, Juri Preis sowie Florian Gößmann-Schmitt gegeneinander an. Melchior Neumann führte als Moderator und Judge durch die drei Runden.

Melchior Neumann

Melchior Neumann

Co-Founder & Managing Director @NEUPLANER
Florian Gößmann-Schmitt

Florian Gößmann-Schmitt

Co-Founder ‪@bsteuern‬ & verfahrensdokumentation.pro
Daniel Hanemann

Daniel Hanemann

Gründer & CEO ‪@wundertax‬
Juri Preis

Juri Preis

Geschäftsführer, Steuerberater ‪@Smarta‬ Steuerberatung

Das Prinzip ist einfach: drei Themen, drei Perspektiven. Am Ende entscheidet die überzeugendere Argumentation. Nach zwei offenen Diskussionsrunden folgt ein Finale mit schnellen Entweder-oder-Fragen, bei denen Schlagfertigkeit gefragt ist. Ziel ist es, die Zukunft von Steuerrecht und Software praxisnah und mit dem nötigen Humor zu beleuchten.

🥊 ROUND 1: 100% Digital – Ausgebremst?

Schon in der ersten Runde wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wege dorthin sein können.

Was muss im Steuerrecht geändert werden, um 100 % digitale Arbeit zu ermöglichen?

Ein Ansatz setzte auf eine drastische Erhöhung der Werbungskostenpauschalen: weniger Bürokratie, mehr Zeit, weniger Steuererklärungen. Die Vision, Arbeitnehmer:innen und Rentner:innen sollen gar keine Steuererklärung mehr benötigen. Ein anderer Blick fiel auf die Finanzverwaltung selbst. Nicht die Gesetze, sondern die Behörden seien die größte Bremse. Unterschiedliche Landesregelungen, ausgedruckte E-Mails und manuelle Prozesse würden jede Digitalisierung zunichte machen. Schließlich wurde eine „vorausgefüllte Steuererklärung auf Steroiden“ gefordert. Mit Einwilligung der Bürger:innen sollen alle relevanten Daten aus Banken, Apps und Registern automatisch in die Erklärung fließen – effizient, fehlerfrei und vollständig digital.

Es wurde leidenschaftlich über Datenschutz, Föderalismus und die Angst vor dem „gläsernen Menschen“ diskutiert. Doch am Ende überzeugte die Idee der datenbasierten Automatisierung, also die Vision einer Steuererklärung, die fertig ist, bevor man sie überhaupt beginnt.

Der Punkt für ROUND 1 ging an Daniel Hanemann.

 

🥊 ROUND 2: Kanzlei & Software auf Augenhöhe!

In der zweiten Runde stand die Frage im Mittelpunkt:

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Steuerkanzleien und Softwareanbietern in Zukunft gelingen?

Wieder prallten Meinungen aufeinander. Ein Vorschlag lautete: Mindset statt Konkurrenzdenken. Tax-Tech automatisiert Routinen, sodass sich Steuerberater:innen auf komplexe Fälle und Beratung konzentrieren können. Ein anderer Lösungsansatz war, eine gemeinsame Sprache zu finden. Steuerberater:innen benötigen Digitalwissen, während Tech-Teams steuerliches Grundwissen benötigen. Erst dann können tragfähige Lösungen entstehen. Schließlich kam der Ruf nach offenen Schnittstellen statt Flickenteppich. Es gibt zu viele Insellösungen und zu wenig Durchgängigkeit. Kanzleien brauchen End-to-End-Prozesse statt Datensilos.

Schnell drehte sich die Diskussion um DATEV, Schnittstellenpolitik und den Dauerbrenner „Offene APIs“. Wie eng sollen Kanzleien und Softwarehäuser wirklich zusammenarbeiten? Und wer definiert die Standards? Markt, Staat oder Verbände?

Am Ende siegte das Plädoyer für eine Verständigung auf Augenhöhe. Der Punkt von ROUND 2 ging an Juri Preis.

 

⚡ FINAL: Blockchain – Hype oder echte Innovation?

Im Finale trafen Daniel Hanemann und Juri Preis in einer Speedround aufeinander. Fünf Entweder-oder-Fragen sorgten für Tempo: „Apple oder Windows?“, „Zero Inbox oder 1.000 ungelesene E-Mails?“ und „Blockchain – Hype oder echte Innovation?“ waren nur einige davon.

Besonders spannend wurde es bei der Frage:

Wer ist besser für die digitale Steuerwelt gerüstet: Steuerberater:in mit IT-Skills oder Techie mit Steuerwissen?

In der Diskussion trafen Tradition und Zukunftsdenken aufeinander. Die eine Seite betonte, dass tiefes Fachwissen unverzichtbar sei, um technische Lösungen rechtssicher zu gestalten. Die andere Seite argumentierte, dass neue Perspektiven und der Mut, Bestehendes infrage zu stellen, die Branche wirklich voranbringen.

In der letzten Challenge „Blockchain – Hype oder echte Innovation?“ entschied schließlich die Argumentationsstärke.

Mit einem finalen Punktestand von 3:2 ging der Sieg des FIGHT #2 an Juri Preis.

FAZIT

FIGHT #2 hat gezeigt, wie viel Dynamik im Spannungsfeld zwischen Steuerrecht und Technologie steckt. Alte Systeme treffen auf neue Ideen und pragmatische Lösungsansätze. Manchmal konträr, oft ergänzend. Ob Steuererklärung auf Steroiden oder offene Schnittstellen: Die Diskussion machte deutlich, dass die Digitalisierung nur gelingt, wenn alle Seiten – Kanzleien, Tech-Unternehmen und Verwaltung – gemeinsam denken und handeln.

______________________


Das Videoformat für die Digitale Steuerwelt! 
Neugierig geworden?

→ MEHR ERFAHREN

Dstv KI LOESUNGEN2 1920X1080px
Digitale Transformation in der Steuerberatung

Marktübersicht – 11 KI-TOOLS: Recherche & Assistenz

Die Marktübersicht 2026 des DStV bietet Orientierung im Dschungel der KI-Tools für die Steuerberatung. Verglichen werden elf Lösungen für Recherche und Assistenz mit klaren Kriterien, Anbieter-Steckbriefen, einer Vergleichstabelle und praxisnahen Empfehlungen zur Tool-Auswahl.

NWB Umsatzsteuer Nfts 1920X1080px
Non-Fungible Token & Umsatzsteuer

NFT-Handel: Umsatzsteuerliche Rechtsprechung

NFT-Verkäufe unterliegen nach aktueller Rechtsprechung der Umsatzsteuer und gelten als sonstige Leistungen. Das Niedersächsische FG betont besondere Aufzeichnungs- und Mitwirkungspflichten, insbesondere bei grenzüberschreitenden elektronischen Dienstleistungen und der Bestimmung des Leistungsorts.

Hoffmann BLOG 1920X1080px
Weckruf für Krypto-Anleger

Sammelauskunftsersuchen zu Bitcoin.de!

Die Finanzbehörden nutzen Sammelauskunftsersuchen, um Daten von Bitcoin.de auszuwerten und bisher unvollständig deklarierte Krypto-Geschäfte aufzudecken. Der Beitrag zeigt die wachsende Aufmerksamkeit der Steuerfahndung, schildert Erfahrungen aus der Praxis und erläutert notwendige Reaktionen.