Mandanten fit für die neue Suchwelt machen

Sichtbarkeit bei ChatGPT & Co. erhöhen (Teil 2)

Lupe liegt auf Holzoberfläche und vergrößert einen weißen Kreis mit schwarzer Schrift "GPT". Bild: AI generated via canva.com

Ein Beitrag von Jonas Paul Klatt

Immer mehr B2B-Entscheider nutzen KI-Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity oder Claude, um sich vorab über Anbieter zu informieren – noch bevor sie überhaupt die Website aufrufen oder Kontakt zum Vertrieb herstellen. Wer dort nicht erscheint, verliert Kunden, bevor das erste Gespräch beginnt. Sie als Berater können Ihren Mandanten helfen, diese neue digitale Unsichtbarkeit zu überwinden.

Teil 1 gibt es hier:

Mandanten fit für die neue Suchwelt machen

Sichtbarkeit bei ChatGPT & Co. erhöhen (Teil 1)

KI-Suchsysteme wie ChatGPT verändern die Informationssuche im B2B grundlegend. Der Text erläutert, warum klassische SEO-Strategien an Grenzen stoßen, wie digitale Reputation entsteht und welche Maßnahmen Berater ergreifen können, um ihre Mandanten sichtbar zu halten.

KERNAUSSAGEN

👉 KI-Suchsysteme ersetzen Google zunehmend in der ersten Recherchephase – gerade im B2B.

👉 Unternehmen erscheinen dort nur, wenn sie über eine vertrauenswürdige, glaubwürdige                                    Online-Reputation verfügen.

👉 Reine SEO-Optimierung reicht nicht mehr – entscheidend ist das digitale Gesamtbild.

👉 Berater können ihre Mandanten gezielt bei der strategischen Reputationsoptimierung begleiten.

IV. Der Reputations-Check: Erste Schritte für die Beratungspraxis

Ein strukturierter Digitalcheck hilft, die aktuelle Online-Reputation Ihrer Mandanten zu erfassen. Folgende Checkliste können Sie in einem Erstgespräch gemeinsam durchgehen:

CHECKLISTE: Digitale Sichtbarkeit für KI-Suchsysteme

Werden im Web Bewertungen angezeigt? Auf welchen Portalen?

✅ Gibt es veröffentlichte Fachartikel, Studien oder Presseberichte?

✅ Taucht das Unternehmen in Foren, Social Media oder auf Q&A-Plattformen auf?

✅ Gibt es Interviews, Kundenstimmen oder Videocontent? S. 322

✅ Ist das Google-Unternehmensprofil vollständig und gepflegt?

✅ Welche Fragen würden potenzielle Kunden stellen – und gibt es dazu Online-Antworten?

V. Strategien für mehr digitale Relevanz
1. Bewertungen gezielt aufbauen

Unternehmen sollten aktiv Bewertungsstrategien einführen, Kunden systematisch um Feedback bitten und auf mehreren Plattformen präsent sein:

  • Ältere Kund:innen erneut ansprechen (z. B. via E-Mail mit Link),

  • Bewertungsportale gezielt auswählen (Google, ProvenExpert, Trustpilot),

  • QR-Codes für Bewertung vor Ort. 
     

2. Inhalte mit Vertrauenswirkung erzeugen

Unternehmen sollten Inhalte bereitstellen, die fachlich, problemorientiert und öffentlich zugänglich sind:

  • Fachartikel oder Blogs in seriösen Medien,

  • eigene LinkedIn-Artikel,

  • Teilnahme an Podcasts,

  • Mitarbeit in Fachforen,

  • Fallstudien – idealerweise mit Zahlen, Herausforderungen und Ergebnissen,

  • FAQ-Seiten in Dialogform für typische Kundenfragen,

  • Videostatements, Kurzinterviews, Events dokumentieren.
        

 3. Technische Optimierung
  • Strukturierte Daten mit Schema.org auszeichnen (FAQ, Artikel, Unternehmen),

  • Bewertungssterne auf Website sichtbar machen,

  • Inhalte maschinenlesbar aufbereiten.

PRAXISHINWEIS:

Empfehlen Sie Tools wie „Merkle Schema Generator“ oder „Yoast SEO“, um strukturierte Daten einfach umzusetzen.

4. Unternehmensprofile pflegen

Unternehmensprofile sollten regelmäßig geprüft und gepflegt werden, – nicht nur bei Google, sondern in allen gängigen Onlineverzeichnissen –, und zwar auf

  • Vollständigkeit,

  • Aktualität und

  • Einheitlichkeit (NAP-Prinzip: Name, Adresse, Telefonnummer).

PRAXISBEISPIEL:

Ein Architekturbüro aus Bielefeld stellte im April 2025 fest, dass es für die Suchanfrage „Ökologisches Bauen NRW“ nicht mehr in den KI-Antworten auftauchte. Ursache: Kein veröffentlichtes Projekt seit 2021, kein Bewertungsprofil und eine veraltete Webpräsenz. Nach einer strukturierten Reputationsoffensive (zwei Blogartikel, drei Bewertungen, ein Interview mit der IHK und ein How-To-Video) wurde das Büro innerhalb von acht Wochen von ChatGPT wieder genannt. Die Anfragen stiegen um 22 %.

FAZIT

Vertrauen ersetzt Werbung

Der Wandel der Suchmechanismen führt zu einer neuen Form der Sichtbarkeit. Sichtbar wird, wer digital Vertrauen, Relevanz und Glaubwürdigkeit ausstrahlt – nicht der, der am meisten Geld in Werbung steckt. Während klassische Suchmaschinen wie Google stark auf Keywords, Anzeigenbudgets und Website-Struktur setzen, analysieren KI-Suchsysteme wie ChatGPT oder Perplexity Inhalte deutlich umfassender: Sie fragen nicht nur, was jemand sagt, sondern auch, wer es sagt, wie es eingebettet ist – und wie andere darüber sprechen.

Vertrauen ist damit zur neuen Währung im digitalen Wettbewerb geworden. Empfehlungen in KI-Antworten basieren nicht auf Performance-Marketing-Kampagnen, sondern auf Reputation, Authentizität und Substanz. Unternehmen, die eine digitale Präsenz pflegen, welche über die eigene Website hinausgeht – mit echten Bewertungen, relevanten Fachartikeln, glaubwürdigen Zitaten und öffentlicher Erwähnung –, gewinnen an Sichtbarkeit. Wer hingegen nur auf klassische Kanäle setzt, verliert zunehmend an Anschluss.

Für KMU-Berater ergibt sich daraus ein erweiterter Handlungsauftrag: Wer Mandanten nicht nur bei Finanzen und Strategie, sondern auch bei ihrer digitalen Wirkung unterstützt, trägt wesentlich zur Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen bei. Die Frage „Wie sichtbar ist mein Mandant?“ muss künftig ergänzt werden durch: „Wie vertrauenswürdig erscheint er im digitalen Raum – aus Sicht von Mensch und Maschine?“ Denn: Ob ein Anbieter auf der Shortlist eines potenziellen Kunden landet, entscheidet sich heute oft, bevor ein Mensch überhaupt recherchiert – nämlich in der Antwort einer KI. Unternehmen, die dort nicht vorkommen, verlieren Aufträge, bevor sie vom Bedarf überhaupt erfahren.

Es empfiehlt sich, im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Beratung künftig regelmäßig auch die digitale Außenwirkung der Mandanten zu prüfen: Welche Bewertungen sind öffentlich sichtbar? Gibt es Presseerwähnungen, Fachartikel, Foreneinträge? Sind Social-Media-Profile aktuell gepflegt? Gibt es ausreichend „digitale Belege“ für Kompetenz, Erfahrung und Kundenzufriedenheit?

Die gute Nachricht: KMU müssen nicht zu Content-Giganten werden. Schon eine gezielte Optimierung an den richtigen Stellen kann den Unterschied machen

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Dies ist Teil 2 des Beitrages aus NWB-BB 2025, Seite 320.


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