Auffälligkeiten früher erkennen

Datenanalyse mit AUDIPY: E-Rechnungen analysieren statt nur verbuchen

Tablet mit Podcast-Cover und Kopfhörern, Symbolbild für digitalen Tax-Tech-Podcast Bild: @taxandbytes

In Rechnungs- und Buchhaltungsdaten steckt weit mehr als der Betrag, der am Ende auf einem Konto landet. Einzelpreise, Mengen, Steuersätze und Leistungsdaten können auf Fehler oder ungewöhnliche Entwicklungen hinweisen. Häufig werden solche Informationen allerdings erst ausgewertet, wenn ein konkreter Anlass besteht: beim Jahresabschluss, bei einer Betriebsprüfung oder nachdem bereits eine Auffälligkeit bekannt geworden ist.

Wie sich das ändern lässt, besprechen wir in der neuen Folge unseres Podcastformats TOOLS.inside mit Daniel Eilenbrock von AUDIPY. Im Mittelpunkt stehen strukturierte E-Rechnungsdaten, die Verbindung von Beleg und Buchung sowie die Frage, wie Datenanalyse und KI dabei helfen können, aus großen Datenbeständen gezielt die prüfungswürdigen Fälle herauszufiltern.

Im Format TOOLS.inside spricht tax&bytes mit Softwareanbietern über konkrete Praxisprobleme, digitale Lösungen und echte Anwendungsfälle aus Kanzleien, Steuerabteilungen und Unternehmen. Ziel ist nicht die reine Produktvorstellung, sondern ein Blick darauf, wie Digitalisierung den steuerlichen Arbeitsalltag tatsächlich verändern kann.

Vom Datenbestand zur relevanten Auffälligkeit

An Daten fehlt es in Kanzleien und Unternehmen selten. Buchungsjournale, Rechnungen und Exporte aus verschiedenen Systemen liefern umfangreiches Material. Schwieriger ist es, diese Informationen zusammenzuführen und regelmäßig auszuwerten. Daniel Eilenbrock beschreibt einen typischen Ablauf: Buchungsjournale werden nach Excel exportiert und dort mit Filtern, Pivot-Tabellen oder Verweisfunktionen untersucht. Bei überschaubaren Datenmengen funktioniert das. Bei zehntausenden oder hunderttausenden Buchungen und Rechnungspositionen steigt der Aufwand erheblich.

Daniel Eilenbrock

Daniel Eilenbrock

Fachprüfer für Prüftechnik NRW und Mitgründer @Semitax GmbH

Häufig bleibt deshalb die Stichprobe. Werden aus 50.000 Eingangsrechnungen beispielsweise 100 Belege ausgewählt, ist offen, ob darunter tatsächlich die relevanten Problemfälle liegen. Eine Vollbestandsanalyse untersucht dagegen zunächst sämtliche Daten nach festgelegten Auffälligkeiten. Die fachliche Prüfung konzentriert sich anschließend auf Vorgänge, bei denen ein konkreter Hinweis vorliegt, etwa auf eine Dublette, einen ungewöhnlichen Preis oder einen abweichenden Steuersatz.

Was die E-Rechnung für die Analyse verändert

Strukturierte E-Rechnungen schaffen dafür eine neue Datengrundlage. Ihr Vorteil gegenüber klassischen PDF-Rechnungen liegt vor allem in der Maschinenlesbarkeit. Informationen sind in definierten Datenfeldern hinterlegt und müssen nicht erst aus einem Dokument erkannt werden.
Eilenbrock fasst den Unterschied so zusammen:

Eine E-Rechnung ist nun mal kein sichtbares Bild, sondern ein strukturierter Datensatz.

Bei eingescannten Belegen oder PDFs müssen Informationen häufig über OCR ausgelesen werden. Wird dabei etwa ein Datum oder Dezimaltrennzeichen falsch interpretiert, kann sich der Fehler in der weiteren Verarbeitung fortsetzen. Bei strukturierten E-Rechnungen stehen Rechnungsnummer, Leistungsdatum, Beträge und Steuersätze unmittelbar zur Verfügung. Besonders interessant ist die Positionsebene mit einzelnen Artikeln oder Leistungen, Mengen und Preisen. Dadurch lassen sich beispielsweise folgende Fragen untersuchen:

  • Hat ein Lieferant den Preis für denselben Artikel deutlich verändert?
  • Wird eine Position plötzlich mit einem anderen Steuersatz abgerechnet?
  • Enthält eine pauschal gebuchte Rechnung Positionen, die steuerlich anders einzuordnen sind?

Eine solche Abweichung ist zunächst ein Prüfindikator. Ob tatsächlich ein Fehler vorliegt, ergibt sich aus dem konkreten Sachverhalt.


Auffälligkeiten erkennen, solange der Vorgang aktuell ist

Eilenbrock bezeichnet die häufig rückblickende Arbeitsweise als „Postmortem-Analyse“. Geprüft wird erst, nachdem der Geschäftsvorfall längst abgeschlossen ist.
Doch: An einen Vorgang „vor fünf Tagen“ lässt sich leichter anknüpfen als an einen Vorgang „vor fünf Jahren“. Werden Auffälligkeiten früh erkannt, sind Hintergründe und beteiligte Personen meist noch leichter erreichbar. Eine laufende Datenanalyse kann deshalb bereits beim Rechnungseingang ansetzen. Rechnungen lassen sich etwa auf Dubletten, ungewöhnliche Beträge, Steuersatzabweichungen oder Preisveränderungen untersuchen. Auffällige Vorgänge werden anschließend fachlich geprüft. Für Steuerberater:innen entsteht daraus eine zusätzliche Beratungsmöglichkeit. Probleme oder wirtschaftliche Entwicklungen können mit Mandant:innen besprochen werden, während der zugrunde liegende Vorgang noch aktuell ist.


Beleg und Buchung gemeinsam prüfen

Weitere Erkenntnisse entstehen, wenn Rechnungs- und Buchungsdaten miteinander verbunden werden. Die Rechnung beschreibt den Geschäftsvorfall, das Buchungsjournal dessen Verarbeitung in der Finanzbuchführung. Über Merkmale wie die Rechnungsnummer lässt sich beispielsweise prüfen, ob eine Rechnung in der Buchführung vorhanden ist, ob Rechnungs- und Buchungsbetrag übereinstimmen oder ob ein Beleg mehrfach verarbeitet wurde. Hier setzt AUDIPY an. Die Datenanalyse-Software kann nach Angaben von Mitgründer Daniel Eilenbrock Daten aus unterschiedlichen Quellen importieren und für Analysen zusammenführen, darunter Buchhaltungs- und ERP-Daten, GoBD-Exporte sowie CSV-, Excel- und E-Rechnungsdaten. Bei E-Rechnungen sollen Prüfroutinen unter anderem Dubletten, Ausreißer und ungewöhnliche Betragsverteilungen identifizieren. Ein E-Rechnungs-Cockpit bündelt die auffälligen Vorgänge für die weitere Prüfung. Am Beispiel eines Bestands von 50.000 Eingangsrechnungen beschreibt er den Ansatz knapp: „Man prüft letztendlich genau die kritischen Fälle.“ Damit verändert sich vor allem die Auswahl der Fälle. Statt zufällig ausgewählter Belege kommen zunächst diejenigen Vorgänge auf den Tisch, für die die Analyse bereits einen konkreten Hinweis geliefert hat.


Datenanalyse per natürlicher Sprache

Eine Hürde klassischer Analysewerkzeuge liegt in ihrer Bedienung. Individuelle Auswertungen erfordern je nach System Kenntnisse in Excel-Formeln, SQL, Python oder anderen Abfragesprachen. AUDIPY begegnet dieser Hürde mit „Amy“, kurz für „Ask My Data“. Anwender:innen formulieren Fragen in natürlicher Sprache, beispielsweise: „Bei welchen Lieferanten haben sich die Preise für identische Artikel besonders stark verändert?“ Amy übersetzt die Frage in eine technische Abfrage und wendet diese auf den Datenbestand an. Ergebnisse können als Tabelle oder Diagramm ausgegeben werden. Für die steuerliche Praxis ist dabei die Nachvollziehbarkeit wichtig. Der erzeugte Code lässt sich laut Daniel Eilenbrock einsehen. Fachkräfte können damit prüfen, welche Abfrage zu einem Ergebnis geführt hat. Die steuerliche Bewertung übernimmt weiterhin der Mensch.


Von der Datenfrage zum KI-Agenten

Mit Cortex ergänzt AUDIPY die Datenabfrage um einen KI-Agenten. Während Amy konkrete Fragen zu einem Datenbestand beantwortet, soll Cortex Funktionen der Software steuern und mehrere Analyseschritte nacheinander ausführen.
Die Prüfverfahren selbst bleiben im Analysewerkzeug hinterlegt. Wird beispielsweise eine Benford-Analyse über Cortex angestoßen, greift der Agent auf die dort definierten Regeln zurück. Interessant wird das auch bei Veränderungen in Datenstrukturen. Ändert sich etwa die Bezeichnung einer Spalte in einem Export, kann der Agent versuchen, die neue Bezeichnung inhaltlich zuzuordnen. Für die Anwender:innen muss nachvollziehbar bleiben, welche Zuordnung vorgenommen wurde.


Datenschutz mitdenken

Bei Rechnungs-, Buchhaltungs- und Mandantendaten ist entscheidend, welche Informationen eine KI-Umgebung tatsächlich verlassen. AUDIPY verarbeitet die eigentlichen Datenbestände lokal. Für KI-Abfragen werden demnach Informationen über die Datenstruktur genutzt, während die personenbezogenen Inhalte lokal verbleiben. Die von der KI erzeugte Abfrage wird anschließend auf dem lokalen Datenbestand ausgeführt. Kanzleien und Unternehmen müssen für ihren konkreten Einsatz dennoch prüfen, welche Daten übertragen und gespeichert werden, welche Berechtigungen gelten und wie Analysevorgänge dokumentiert werden.


Mit einer konkreten Prüffrage beginnen

Der Einstieg muss nicht gleich aus einer umfassenden Analyse sämtlicher Rechnungsdaten bestehen. Aussagekräftiger ist häufig ein klar abgegrenzter Anwendungsfall. Eine Kanzlei könnte zunächst testen, wie zuverlässig Dubletten in Eingangsrechnungen erkannt werden. Ein Unternehmen könnte Rechnungs- und Buchungsbeträge abgleichen oder die Preisentwicklung eines bestimmten Lieferanten untersuchen. Dabei zeigt sich schnell, ob die benötigten Daten vollständig vorliegen, wie zuverlässig Beleg und Buchung verbunden werden können und welche der gefundenen Auffälligkeiten nach fachlicher Prüfung tatsächlich relevant sind.

FAZIT

Strukturierte E-Rechnungen machen Informationen zugänglich, die bei einer reinen Betrachtung des Rechnungsendbetrags verborgen bleiben. Zusammen mit Buchungsdaten lassen sich große Bestände gezielt nach Dubletten, Preisabweichungen oder ungewöhnlichen Steuersätzen durchsuchen.
KI kann den technischen Zugang zu diesen Analysen erleichtern. Für Kanzleien und Steuerabteilungen liegt der praktische Nutzen vor allem darin, ihre fachliche Aufmerksamkeit früher auf diejenigen Vorgänge zu richten, bei denen tatsächlich Klärungsbedarf besteht.

Wer wissen möchte, wie sich E-Rechnungs- und Buchungsdaten systematischer analysieren, Auffälligkeiten früher erkennen und KI-gestützte Datenanalysen in der Praxis einsetzen lassen, sollte in diese Folge von TAX GOES DIGITAL – Der tax&bytes-Podcast reinhören.

Zur Podcast-Übersicht und allen Folgen:

Im Podcast für die digitale Steuerwelt, dreht sich alles um digitale Lösungen, neue Technologien und echte Praxiserfahrungen aus Steuerkanzleien, Steuerabteilungen und der Beratung.

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Frank Hüsgen - Podcaster bei NWB

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Annika Glinka - Podcasterin bei NWB

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