Kanzleipraxis und Start-up – was analog bleibt und worauf es ankommt
Zum Abschluss der ersten Staffel der „tax&bytes Fights“ wurde es noch einmal grundsätzlich. Wie viel Mensch braucht die Steuerberatung der Zukunft noch? Worauf sollte sich die nächste Generation von Tax-Tech-Unternehmen konzentrieren? In einer Episode, die gleichzeitig visionär, provokant und erstaunlich persönlich wurde, ging es um KI, Kanzleikultur und Start-up-Denken.
Im Ring standen Florian Gößmann-Schmitt, Melchior Neumann und Juri Preis. Daniel Hanemann führte als Moderator und Juror durch die letzte Ausgabe der Staffel.
Auch im Staffelfinale blieb das Prinzip unverändert. Es gab zwei offene Diskussionsrunden, die in eine schnelle Finalrunde mit klaren Entweder-oder-Positionen mündeten. Doch diesmal stand die Grundsatzfrage stärker denn je im Raum: Was bleibt eigentlich übrig, wenn Steuerberatung konsequent digital gedacht wird?
🥊 ROUND 1: Was bleibt in Steuerkanzleien eigentlich noch analog?
Die erste Runde begann mit einer provokanten Frage: „Was wird in Steuerkanzleien wahrscheinlich als Allerletztes digitalisiert?”
Schnell wurde deutlich, wie unterschiedlich die Zukunftsbilder aussehen. Die eine Seite verteidigte die persönliche Erfahrung und das „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“ als letzten analogen Kern der Steuerberatung, während die andere Seite ein radikal digitales Szenario entwarf. Beratung könne irgendwann vollständig datenbasiert funktionieren. Menschen würden sich dann vielleicht noch im Café treffen, aber nicht mehr zwingend für die eigentliche steuerliche Leistung.
Am Ende wird fast alles digitalisiert. Analog bleiben höchstens physische Dinge wie Räume oder das Reinigen der Kaffeemaschine.
Dazwischen lag eine dritte Perspektive. Die interne Verwaltung der Kanzleien könne besonders lange an alten Mustern festhalten. Abrechnung, Vollmachten oder Onboarding seien genau die Bereiche, bei denen viele Kanzleien Kontrolle nur ungern aus der Hand geben. Die Diskussion entwickelte schnell eine eigene Dynamik. KI gegen Erfahrung. Effizienz gegen soziale Wärme. Und immer wieder die Frage, ob Beratung wirklich nur aus Wissen besteht oder eben doch aus menschlicher Einordnung.
Am Ende überzeugte die Argumentation rund um die persönliche Beratung und Erfahrung. Der Punkt für ROUND 1 ging an Juri Preis.
FIGHT #6 - ROUND 1: Was wird in Steuerkanzleien wahrscheinlich als Allerletztes digitalisiert? Es prallen drei Positionen aufeinander: persönliche Erfahrung und Beratung, interne Verwaltung wie Abrechnung und Vollmachten – oder am Ende doch alles bis auf physische Dinge wie die Kaffeemaschine?
🥊 ROUND 2: Wie baut man eigentlich ein gutes Tax-Tech-Start-up?
In der zweiten Runde verlagerte sich der Fokus von der Kanzlei hin zur Produktentwicklung. Wie entsteht ein wirklich relevantes Tax-Tech-Produkt?
Die Antworten hätten unterschiedlicher kaum sein können. Ein Ansatz setzte auf Nähe zur Zielgruppe. Erst die Menschen verstehen, dann ihre Probleme erkennen und daraus Lösungen entwickeln. Communitys, Austausch und echtes Zuhören standen dabei im Mittelpunkt.
Erst Menschen, dann Probleme, dann ein Tool.
Andererseits gab es die Meinung, dass für steuerliche Lösungen vor allem fachliche Tiefe notwendig ist. Wer nur auf die Nutzenden hört, läuft womöglich Gefahr, am eigentlichen Problem vorbeizubauen. Deshalb müsse man stärker auf steuerliche Expertise und das Recht selbst schauen statt auf die individuellen Meinungen einzelner Kanzleien. Ein dritter Blick richtete den Fokus auf Begleitung und Wissenstransfer. Viele Tools scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass die Nutzenden mit ihnen allein gelassen werden.
Zwischen Community-Gedanke, Expertenansatz und Education entstand eine intensive Debatte über die eigentliche Rolle von Tax Tech. Soll Software Prozesse nur vereinfachen oder das Verhalten der Nutzenden verändern?
Am Ende setzte sich die Argumentation durch, die die Zielgruppe und die Problemerkennung in den Mittelpunkt stellte. Der Punkt für Round 2 ging an Melchior Neumann.
FIGHT #6 - ROUND 2: Wo sollte der Fokus bei Neugründung eines Tax-Tech-Start-ups liegen? Drei Ansätze: Probleme direkt bei der Zielgruppe identifizieren, Nutzer von Anfang an mit Schulung unterstützen oder zuerst steuerliche Expertise bündeln, um das eigentliche Fachproblem zu lösen.
⚡ FINAL: Open Source, Dashboard oder Nachteule?
Im Finale trafen Juri Preis und Melchior Neumann in einer schnellen Speedround aufeinander.
Es ging um Open Source vs. proprietäre Software, iPhone vs. Android, Frühaufsteher vs. Nachteule, BWA als PDF vs. Dashboard sowie Zug vs. Flug.
Besonders intensiv wurde die Diskussion bei der Frage:
BWA als PDF oder Dashboard?
Hier kollidierten zwei Blickwinkel auf modernes Arbeiten. Die eine Seite setzte auf Echtzeitdaten, Flexibilität und schnelle Reaktionsfähigkeit. Die andere Seite warnte vor permanenter Überforderung durch ständige Verfügbarkeit und argumentierte für klare, abgeschlossene Auswertungen statt dauerhafter Live-Daten.
Auch die übrigen Fragen entwickelten überraschend viel Tiefe. Plötzlich wurden Datenschutz, Offenheit von Systemen, Produktivität und sogar Schlafrhythmen zu Grundsatzfragen moderner Arbeitskultur.
Am Ende entschied die konsistentere Argumentationslinie das Finale für sich. Mit einem Punktestand von 3:2 gewann Melchior Neumann den Fight #6 und damit das Staffelfinale von Staffel 1.
FIGHT #6 - FINAL: Speedround! Open Source oder proprietäre Software, iPhone oder Android im Arbeitsalltag, Frühaufsteher oder Nachteule als Arbeitsrhythmus, BWA als klassisches PDF oder interaktives Dashboard sowie Zug oder Flug auf Geschäftsreisen.
FAZIT
In der letzten Episode der ersten Staffel wurden noch einmal viele der großen Linien der bisherigen FIGHTS zusammengeführt. Digitalisierung, KI, Beratung, Daten, Nutzerverhalten und Unternehmertum wurden als zusammenhängendes System sichtbar. Dabei wurde deutlich: Die Zukunft der Steuerberatung hängt einerseits von Technologie, andererseits aber auch von Haltung, Vertrauen und dem Verständnis dafür ab, welche Rolle Beratung künftig übernehmen soll.
Mit FIGHT #6 endet die erste Staffel von „tax&bytes.FIGHTS“ genau mit der Mischung, die das Format auszeichnet. Kontroverse Positionen, praktische Perspektiven und eine gute Portion Humor.
Alle Folgen der ersten Staffel sind auf taxandbytes.de/FIGHTS abrufbar.