Leitplanken für sicheren KI-Einsatz

DStV veröffentlicht KI-Richtlinie für Steuerkanzleien

Digitale Datenstraße mit Schloss-Symbol, Darstellung von IT-Sicherheit und Datenfluss. Bild: AI generated via canva.com

Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hat eine Muster-KI-Anwendungsrichtlinie veröffentlicht, die Steuerkanzleien beim strukturierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz unterstützen soll. Ziel ist es, klare organisatorische und rechtliche Leitplanken zu schaffen und gleichzeitig den praktischen Einsatz von KI im Kanzleialltag zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie KI-Anwendungen verantwortungsvoll, sicher und rechtskonform eingesetzt werden können. Die Richtlinie versteht KI dabei ausdrücklich als unterstützendes Werkzeug. Die fachliche Verantwortung für Ergebnisse bleibt bei den handelnden Personen und kann nicht an Systeme übertragen werden.

Strukturierter Rahmen für den KI-Einsatz

Ein zentrales Element der Richtlinie ist die systematische Einordnung von KI-Anwendungen. Maßgeblich ist dabei das Zusammenspiel aus eingesetztem Tool, konkretem Anwendungsfall, verwendeten Daten und der daraus abgeleiteten Risikobewertung. KI darf nur dann eingesetzt werden, wenn sowohl das Tool freigegeben ist als auch ein klar definierter Use Case vorliegt.

Die Richtlinie unterscheidet dabei mehrere Risikostufen. Diese orientieren sich insbesondere an der Nähe zum fachlichen Kernprozess sowie an der Sensibilität der verarbeiteten Daten. Während einfache Anwendungen mit geringem Risiko vergleichsweise flexibel genutzt werden können, steigen bei mandatsnahen oder datenintensiven Anwendungsfällen die Anforderungen an Prüfung, Dokumentation und Freigabe deutlich an.

Zur praktischen Umsetzung empfiehlt der DStV unter anderem den Aufbau eines KI-Tool-Verzeichnisses sowie eines Use-Case-Verzeichnisses. Dadurch werden eingesetzte Systeme, deren Zweck und die jeweiligen Einsatzgrenzen transparent dokumentiert und nachvollziehbar gesteuert.

4-SCHRITTE-FRAMEWORK

1️⃣ Tool definieren

Welches KI-System wird eingesetzt und ist es freigegeben?

2️⃣ Anwendungsfall festlegen

Wofür wird die KI konkret genutzt?

3️⃣ Daten bewerten

Welche Daten werden verarbeitet und wie sensibel sind sie?

4️⃣ Risiko einordnen

Welche Anforderungen ergeben sich für Prüfung und Freigabe?


👉 Ergebnis: Je höher das Risiko, desto höher die Anforderungen an Kontrolle und Dokumentation.

👉 Grundprinzip: KI unterstützt. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.

Fokus auf Daten, Haftung und Qualität

Besondere Bedeutung kommt dem Umgang mit sensiblen Daten zu. Die Richtlinie macht deutlich, dass personenbezogene und mandatsbezogene Informationen nur unter klar definierten Voraussetzungen verarbeitet werden dürfen. Ohne entsprechende Absicherung, etwa durch vertragliche Regelungen, ist der Einsatz externer KI-Dienste nicht zulässig. Darüber hinaus werden Anforderungen an Qualitätssicherung und Verantwortlichkeit konkretisiert. KI-Ergebnisse müssen abhängig vom Risiko geprüft und freigegeben werden. Ziel ist es, Fehlerquellen zu reduzieren und gleichzeitig die Vorteile der Technologie nutzbar zu machen.

Die Muster-KI-Anwendungsrichtlinie ist bewusst als Orientierungshilfe konzipiert und muss an die jeweilige Kanzleistruktur angepasst werden. Sie bietet damit einen ersten praxisnahen Rahmen, um den KI-Einsatz systematisch zu organisieren und in bestehende Prozesse zu integrieren.

HINWEIS

Die Muster-KI-Anwendungsrichtlinie steht auf der Webseite des DStV als PDF zum Download zur Verfügung.

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