Künstliche Intelligenz: So gehen Sie mit ungenauen Ergebnissen um
Ein Beitrag von Jörgen Erichsen
Immer mehr Unternehmen und Menschen nutzen KI-Systeme, um z. B. Aufgaben schneller und effektiver lösen zu können oder Ideen für die Umsetzung neuer Konzepte zu erhalten. Doch unbedacht glauben sollte man den Ergebnissen von KI nicht (mehr). Studien zeigen, dass die Antworten ungenauer werden oder Ergebnisse falsch oder unvollständig sein können. Zwar weisen viele KI-Anbieter von sich aus auf mögliche Ungenauigkeiten hin, aber häufig sehen Anwender darüber hinweg und gehen davon aus, dass alle Ergebnisse schon korrekt sein werden. Das kann in der Praxis zu Problemen führen, etwa, wenn KI-Verträge mit ungültigen Klauseln generiert werden. Der Beitrag zeigt an einem einfachen Beispiel in grundlegenden Punkten die Problematik und mit welchen Maßnahmen Unternehmen dennoch respektable Ergebnisse erhalten.
KERNAUSSAGEN
👉 KI-Systeme werden von immer mehr Unternehmern genutzt, um produktiver und schneller arbeiten zu können.
👉 Die Ergebnisse werden u. a. dazu verwendet, um Vertrieb oder Marketing zu verbessern oder sich Konzepte erstellen zu lassen.
👉 Doch die Ergebnisse werden zunehmend ungenauer und es gibt auch falsche Resultate; bspw. werden auch fehlerhafte Quellenangaben oder Zitate geliefert.
👉 Doch es gibt Möglichkeiten, die Qualität der Antworten zu verbessern, damit KI weiter verlässlich im Betrieb eingesetzt werden kann.
I. Warum werden Antworten von KI-Systemen ungenauer?
Immer mehr Unternehmen nutzen KI, um z. B. Abläufe zu verbessern, mehr über Wettbewerber in Erfahrung zu bringen oder Bedarfsprognosen zu verbessern, etwa im Vertrieb. Dabei erstellen KI-Systeme meist Texte oder Auswertungen, die professionell erstellt sind und richtig wirken. Allerdings weisen Studien verstärkt darauf hin, dass die Ergebnisse immer schlechter werden und auch die Anzahl von falschen Antworten zunimmt.
Viele KI-Systeme werden mit großen Datenmengen trainiert, u. a. mit Texten, Analysen von Websites, Foren, sozialen Medien oder wissenschaftlichen Publikationen. Dabei erfolgt die Datensammlung oft ungefiltert. Das bedeutet, dass wissenschaftlich fundierte Texte neben ungeprüften Quellen, Fehlinformationen, Falschaussagen oder veralteten Daten stehen können. Wurde ein KI-System zu größeren Teilen mit alten Daten trainiert, kann es zu neuen Entwicklungen keine vernünftigen Antworten geben. Bei Quellenangaben liegt die Fehlerquote übrigens bei bis zu 60 %! Die Folgen sind zumindest in Teilen ungenaue, unvollständige oder auch widersprüchliche Inhalte. Fließen in KI-Modelle auch Daten ein, die bereits von anderen KI-Modellen generiert wurden, verschlechtern sich die Ergebnisse weiter. Und je größer die Modelle sind, desto negativer die Auswirkungen.
TIPP
Wie gravierend das Problem ist oder je nach Anwendung sein kann, zeigt ein Faktencheck, den das Mittelstand Digital Zentrum Berlin vorgenommen hat. Je nach Themengebiet und Fragestellungen liegt die Fehlerquote bei 8 bis über 80 %!
II. Welche Folgen können ungenaue oder falsche Antworten haben?
Falsche oder verkürzte Antworten auf Anfragen bei einem KI-System können für Unternehmen gravierende Folgen haben. Einige Beispiele:
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Es können wirtschaftliche Schäden entstehen, wenn eine KI die Nachfrage falsch einschätzt und man so zu viel auf Lager fertigt und weniger Umsatz generiert.
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Werden falsche Angaben bei Recherchen gemacht, z. B. bei der Frage nach nötigen Versicherungen, kann es zu Überversicherungen oder auch Versicherungslücken kommen. S. 22Tritt ein Versicherungsfall ein und ist man nicht korrekt versichert, bleibt man ggf. auf Teilen des Schadens sitzen.
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Es können rechtliche Risiken auftreten, wenn eine KI z. B. falsche Empfehlungen zum Aufbau eines Compliance-Systems gibt.
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Möglicherweise treten Fälle von Störerhaftung auf. Diese entsteht immer dann, wenn jemand – auch durch fehlerhafte Informationen durch KI – fremdes Recht verletzt. Das kann bspw. der Fall sein, wenn man falsche Sachverhalte zu einem Unternehmen verbreitet, in der Annahme, dass die KI richtig informiert hat.
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Gibt ein KI-Chatbot Kunden fehlerhafte Informationen etwa zu Garantien oder Rückgaberechten und können Kunden dann z. B. nicht wie zugesagt Waren zurückgeben, kommt es zu Kundenverlusten, negativen Bewertungen oder rechtlichen Risiken, wenn Kunden klagen.
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Aufgaben werden nur unvollständig oder in Teilen falsch erledigt.
III. Einfaches Beispiel zur Veranschaulichung der Unterschiede
Ein einfaches Beispiel ohne weitere Spezifizierungen zeigt, wo und in welcher Form es Unterschiede bei verschiedenen KI-Systemen geben kann. Exemplarisch wurde die Anfrage bei den kostenlosen Versionen von ChatGPT, Copilot und Le Chat eingegeben. Eingabeaufforderung (Prompt): „ Was brauche ich für eine Unternehmensgründung?“ Die Anfrage wurde jeweils am 27.10.2025 gestellt, die Antworten teilweise gekürzt, nachstrukturiert, die Hinweise auf Verbesserungen der Suchergebnisse wurden aus Platzgründen gestrichen.
1. Antwort von ChatGPT
„Für eine Unternehmensgründung brauchst du im Kern:
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Geschäftsidee und Marktanalyse.
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Klare Geschäftsidee, Zielgruppe, Nutzen, Alleinstellungsmerkmal.
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Marktgröße, Wettbewerb, Kundensegmente, Preisstrategie, Rechtsform und Gründungsstruktur.
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Wahl der Rechtsform (GmbH, UG, Einzelunternehmen, etc.): Gesellschaftsvertrag/Gründungsdokumente.
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Notar, Handelsregistereintragung, Finanzamt, ggf. IHK/HWK, Businessplan und Finanzen.
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Kurz- und Langfristplanung (Umsatz, Kosten, Gewinn): Startkapital, Finanzierung (Eigenkapital, Kredite, Fördermittel), Liquiditätsplan, Break-even-Analyse.
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Anmeldung und Behördliche Schritte: Gewerbeanmeldung oder Anmeldung als Freiberufler, Steuernummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Sozialversicherung.
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Banking und Buchhaltung: Geschäftskonto, Vernetzung mit Buchhaltungssoftware, Buchhaltungssystem, Belegwesen, Rechnungserstellung, steuerliche Pflichten (vierteljährliche/Umsatzsteuer-Voranmeldungen, Jahresabschluss).
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Versicherung und Risikomanagement: Betriebshaftpflicht, ggf. Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, KV/PV für Gründer, falls relevant, IT-Schutz (Datenschutz, Backup, Cyberversicherung).
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Mitarbeiter und Organisation: Personalbedarf, Recruiting-Plan, Arbeitsverträge, Payroll, Organisationsstruktur, Prozesse, SOPs.
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Marketing und Vertrieb: Markenaufbau, Website, Social Media, Vertriebskanäle, Kundenakquise, Pricing, Vertriebsziele.
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Produkt- und Serviceentwicklung: MVP (Minimal Viable Product) oder Prototyp, Feedback-Schleifen, Iterationen, Qualitätsmanagement.
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Rechtliches und Compliance: AGB, Vertragsprüfungen, Datenschutz (DSGVO), Impressum, Widerrufsbelehrung, Verbraucherschutz, Fördermittel und Netzwerke.
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Förderprogramme, Zuschuss- oder Kreditmöglichkeiten, Gründerzentrum, Mentoren, Netzwerke.“
2. Antwort von Le Chat
„Für eine Unternehmensgründung in Deutschland brauchst du je nach Rechtsform und Branche verschiedene Unterlagen und Schritte. Hier sind die wichtigsten Punkte, die für die meisten Gründungen relevant sind:
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Geschäftsidee und Businessplan: Klares Konzept: Was ist dein Produkt/Dienstleistung? Wer ist deine Zielgruppe? Businessplan: Enthält Marktanalyse, Finanzplanung, Marketingstrategie und Meilensteine.
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Rechtsform wählen: Einzelunternehmen (einfachste Form, keine Mindestkapitalanforderung), GmbH (Mindestkapital 25.000 €, Haftung beschränkt), UG (haftungsbeschränkt, (Mindestkapital 1 €, aber Rücklagenbildung nötig), GbR (für mehrere Gründer, einfache Gründung), AG, KG, OHG (für spezielle Bedürfnisse).
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Anmeldung und Formalitäten: Gewerbeanmeldung: Beim örtlichen Gewerbeamt (bei freiberuflicher Tätigkeit nicht nötig), Handelsregistereintrag: Bei GmbH, UG, AG, KG, OHG (über Notar). Steuerliche Anmeldung: Beim Finanzamt (Fragebogen zur steuerlichen Erfassung). Berufshaftpflichtversicherung: Bei bestimmten Berufen (z. B. Handwerker, Freiberufler).
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Finanzielle Vorbereitung: Startkapital: Eigenkapital oder Fremdkapital (Kredite, Fördermittel). Bankkonto: Geschäftskonto eröffnen (bei GmbH/UG Pflicht). Buchhaltung: Software oder Steuerberater für Rechnungen, Steuern, Lohnabrechnung.
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Versicherungen: Betriebshaftpflicht (je nach Branche), Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung für Mitarbeiter), Krankenversicherung (für Selbständige).
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Genehmigungen und Lizenzen: Branchenabhängig: z. B. Gaststättenkonzession, Handwerksrolle, IHK-Eintrag.
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Digitales und Marketing: Domain und Website, Social Media Präsenz, Visitenkarten, Logo, Corporate Design.“
3. Antwort von Copilot
„Die Gründung eines Unternehmens in Deutschland erfordert einige wichtige Schritte – aber keine Sorge, ich führe dich durch alles, was du brauchst:
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Geschäftsidee & Businessplan: Klare Idee: Was willst du anbieten? Für wen? Businessplan: Enthält Zielgruppe, Marktanalyse, Finanzierung, Zeitplan und Rechtsform.S. 23
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Wahl der Rechtsform: Beispiele: Einzelunternehmen, UG (haftungsbeschränkt), GmbH, GbR, AG. Entscheidend für Haftung, Kapitalbedarf, Steuern und Bürokratie.
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Bürokratische Schritte: Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt, Steuernummer beim Finanzamt beantragen, Eintragung ins Handelsregister (je nach Rechtsform), IHK- oder HWK-Mitgliedschaft (Pflicht für viele Branchen), Berufsgenossenschaft anmelden, ggf. Genehmigungen oder Lizenzen (z. B. bei Gastronomie, Handwerk).
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Finanzierung: Eigenkapital, Bankkredite, Förderprogramme (z. B. KfW-Gründerkredit), Business Angels oder Investoren.
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Versicherungen: Krankenversicherung (Pflicht!), Betriebshaftpflichtversicherung, ggf. Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, Rentenversicherung.
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Buchhaltung & Steuern: Steuerberater oder Buchhaltungssoftware, Umsatzsteuerpflicht prüfen, Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanzierung.
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Mitarbeiter & Arbeitsrecht: Anmeldung bei der Sozialversicherung, Arbeitsverträge, Datenschutz, Arbeitsschutz.
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Marketing & Vertrieb: Website, Social Media, Logo, CI, Netzwerk aufbauen, Kunden gewinnen.“
ZWISCHENFAZIT
Die Ergebnisse sind im Kern korrekt, weisen aber in Teilen Unterschiede auf, auch in der Tiefe bzw. Vollständigkeit von Punkten, etwa beim Businessplan, der in der Praxis mehr Punkte enthalten sollte. Die allgemein gehaltene Anfrage zeigt zudem nur auf, welche Komponenten überhaupt benötigt werden, und geht nicht auf Details ein, etwa, wann welche Rechtsform gewählt werden oder wie eine genaue Finanzplanung aussehen sollte.
IV. Wie lassen sich dennoch gute Antworten generieren?
Die schlechte Nachricht ist, dass es aktuell kein in allen Punkten wirklich zuverlässiges KI-Sprachmodell gibt und Anwender Ergebnisse immer kritisch hinterfragen müssen. Die gute Nachricht: Man kann zumindest dafür sorgen, das Risiko von ungenauen oder falschen Ergebnissen zu reduzieren. Einige Beispiele:
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Anfragen im Prompt immer sehr konkret nennen. Also nicht nur: „Was brauche ich für eine Unternehmensgründung“. Sondern: „Erstelle mir ein Konzept für die Gründung eines Schreinereibetriebs in der Rechtsform einer GmbH. Es soll zwei Geschäftsführer geben. Es sollen nur individuell gefertigte Möbel in hochwertiger Qualität für Privat- und Geschäftskunden gefertigt werden. Der Stil des Textes sollte leicht verständlich sein und möglichst wenige Fachbegriffe enthalten. Der Textumfang sollte nicht mehr als 2.000 Zeichen betragen.“ Je mehr Punkte und je konkreter die Anfrage, desto besser ist später auch das Ergebnis.
PRAXISHINWEIS
KI-Systeme geben am Ende einer Antwort meist Hinweise, wie sich Suchergebnisse verbessern lassen. Beispiel: Es wird empfohlen, Anliegen auf eine bestimmte Branche oder einen bestimmten Betrieb zu beziehen oder spezialisierte Berater hinzuzuziehen. Diesen Empfehlungen sollte man möglichst nachkommen, um bessere Ergebnisse zu erhalten.
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Selbst Erfahrungen sammeln und durch regelmäßige Recherchen die Anfragen immer genauer formulieren. Ausgangspunkt können z. B. die Hinweise am Ende eines Ergebnisses sein.
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Stets mehrere KI-Modelle für eine Anfrage nutzen, Antworten vergleichen und die Inhalte zusammenführen.
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Grundsätzlich skeptisch bleiben in Bezug auf die Qualität der Antworten oder Quellennennungen und im Zweifel weitere Recherchen vornehmen, etwa Daten von Kammern, Verbänden oder Institutionen einholen.
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Versuchen, zusätzliche Belege für Aussagen und Informationen zu finden, etwa über Suchmaschinen, Nachrichtenportale, Faktenfinder oder auch wissenschaftliche Quellen, soweit möglich bzw. vorhanden.
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Wer KI für Recherchen usw. regelmäßig nutzt, sollte nicht die kostenlosen, sondern die kostenpflichtigen Varianten nutzen, da hier die Qualität der Antworten in der Regel noch einmal deutlich besser ist.
PRAXISHINWEIS
Grundsätzlich sollten alle Aussagen, die man von KI erhält, auf Richtigkeit und Plausibilität untersucht werden. Das gilt vor allem dann, wenn die Informationen auch dazu genutzt werden, um mit Dritten zu interagieren. Eine Übersicht gängiger KI-Systeme finden Sie z. B. unter: https://go.nwb.de/vaa6x.
FAZIT
KI erleichtert die Arbeit für viele Unternehmen, weil man mit Anfragen z. B. umfassende Antworten darauf bekommt, wie sich Konzepte im Vertrieb erstellen lassen oder ein Forderungsmanagement verbessert werden kann. Doch immer mehr Studien zeigen, dass die Antworten von KI nicht immer richtig und auch lückenhaft sind. Die Folgen können schwerwiegend sein, wenn z. B. auf Basis von KI-Antworten falsche Aussagen über Wettbewerber getätigt werden oder KI-gestützte Personalsoftware unzulässig sensible Daten sammelt und damit gegen die DSGVO verstößt. Trotz der Probleme ist KI für Unternehmen und Privatpersonen hilfreich. Allerdings sollten möglichst Systeme genutzt werden, die Ergebnisse kritisch hinterfragen und im Zweifel noch nach weiteren Informationen, etwa von Kammern, Verbänden oder wissenschaftlichen Portalen, suchen.
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Dies ist Teil 1 des Beitrages aus NWB-BB 2026, Seite 1.
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