KI-Governance wird Chefsache
Ein Beitrag von Katharina Kliem
Die Big Four haben ein gemeinsames Ziel: Vertrauenslücken beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) schließen. Mit einem Arsenal an Trusted AI-Angeboten orientieren sie sich an den Prinzipien Governance, Transparenz und Compliance. Und mittendrin? Die Steuerberatung.
Mit dem Vormarsch generativer KI steigt auch der Druck auf Unternehmen, neue Risiken zu kontrollieren. Seit Anfang August 2025 gelten zentrale Anforderungen des EU AI Act, der verbindliche Vorgaben für KI-Modelle, strengere Governance-Strukturen und Transparenzpflichten enthält.
Hohe Strafen bei Verstößen
Das neue Gesetz verlangt
- eine lückenlose Dokumentation,
- ein Risikomanagementsystem und
- den Nachweis menschlicher Aufsicht über KI-Systeme.
Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Dies zwingt Unternehmen, Risikomanagement, technische Dokumentation und menschliche Kontrolle in ihre Betriebsabläufe zu integrieren.
In der Steuerberatung ist KI längst in viele Arbeitsprozesse integriert und kein digitales Add-on mehr. Werkzeuge zur automatischen Belegerkennung, Textanalyse und Mandantenkommunikation gelten laut EU AI Act als risikoarm. Anders verhält es sich bei KI-Systemen zur Bewertung, etwa in der M&A-Beratung. Diese fallen in die Kategorie ,Hochrisiko-KI‘ mit besonderen Auflagen.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz muss transparent und überprüfbar sein. Sicherheit und Datenschutz sind dabei jederzeit zu gewährleisten.
betont Christian Stender, Partner und Chief Technology Officer Tax bei KPMG.
Als Vertrauensgaranten positionieren
Die Big Four reagieren mit sogenannten Trusted-AI-Programmen auf die Anforderungen im EU AI Act. KPMG hat sein Angebot erst kürzlich erweitert. Die Programme sollen Vertrauen bei Kunden und Behörden schaffen. Verantwortungsvolle KI-Nutzung in der Steuerberatung ist laut Stender vor allem eine Frage der Qualitätssicherung: „Die von der KI gelieferten Ergebnisse sind sorgfältig zu überprüfen, da für uns die steuerfachliche Qualität oberste Priorität hat.“
Es gibt jedoch auch Kritik am EU AI Act. So zeigt eine Studie von Deloitte und Civey große Skepsis bezüglich der Rechtssicherheit. „Die teils bewusst unklaren Regelungen des AI Act machen eine Auslegung nicht immer leicht. Allerdings ist dies ein Fortschritt gegenüber einem unregulierten Zustand, in dem die Grenzen nur erahnt werden können“, sagt Dr. Till Contzen, Partner und Lead Digital Law bei Deloitte.
Dr. Sarah Becker, Partnerin und Lead Digital & AI Ethics bei Deloitte, sieht in der Regulierung wiederum einen vertrauensbildenden Rahmen. Die Beratungsunternehmen positionieren sich in diesem Rahmen als Vermittler für regulatorische Konformität.
Der Mensch liefert das Prozesswissen
Neben der Reputation spielt für das langfristige Vertrauen in KI-Systeme vor allem Transparenz eine zentrale Rolle. Deshalb werden bei KPMG in der Steuerberatung Arbeitsschritte detailliert aufgeschlüsselt, um den KI-Einsatz sinnvoll zu gestalten und menschliche Kontrolle transparent zu halten. „Was uns Menschen bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz auszeichnet, ist unser umfassendes Prozess- und Verhaltenswissen. In naher Zukunft wird KI meiner Meinung nach dieses Wissen nicht erreichen oder erlernen können“, betont Stender.
Für die objektive Bewertung der KI-Systeme setzt KPMG – wie auch die anderen Big-Four-Einheiten auf die ISO/IEC 42001-Zertifizierung sowie den nationalen Standard IDW PS 861.
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KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI)
Künstliche Intelligenz (KI) revolutioniert zahlreiche Branchen, und die Steuerberatung ist keine Ausnahme.