Realitätscheck: Beratung übertrumpft Inhouse
Ein Beitrag von Katharina Kliem
Beim Einsatz von Tax Tech zeigen sich die Steuerexpert:innen in der Beratung zufriedener als ihre Inhouse-Kolleg:innen. Das geht aus der JUVE-Steuerexperten-Umfrage hervor. Woran liegt das?
Tax Tech ist aus der Steuerberatung nicht mehr wegzudenken – doch nicht alle Nutzergruppen sind gleichermaßen zufrieden mit dem Umgang. Laut der JUVE-Steuerexperten-Umfrage bewerten Steuerexperten in Beratungsgesellschaften den Tax-Tech-Umgang im Schnitt mehr als eine halbe Note besser als ihre Inhouse-Kollegen.
Während die Teilnehmenden andere Kategorien wie Internationalität des Berufsalltags oder Weiterbildungsangebote mit rund 5 bewerten, also zufrieden sind, fällt die Zufriedenheit mit Tax Tech dagegen ab. Im Vergleich wird sichtbar, dass der Umgang mit Tools und neuen Technologien noch nicht auf dem gleichen Niveau angekommen ist.
Das Ergebnis macht also deutlich: Digitale Tools sind kein Selbstläufer. Es hängt nicht von der Software, sondern von den Rahmenbedingungen, dem Know-how des Teams und vor allem der internen Organisation ab.
Eine Frage des Geldes
Darüber hinaus ist Zufriedenheit aber auch eine Frage des Geldes. Während große Beratungshäuser gezielt in standardisierte Tech-Lösungen investieren, so scheitert es Inhouse oft am Budget. „Es sollte ein höheres Budget freigegeben werden, sodass andere Software verfügbar gemacht werden kann“, wünscht sich ein Inhouse-Steuerexperte.
Große bis mittelgroße Beratungsgesellschaften nutzten Digitalisierungsstrategien gezielt auch als Geschäftsmodell in und auch über die Steuerberatung hinaus. Die Investitionen sowohl für Software als auch für die Ausbildung der Mitarbeitenden sind gerade bei den großen Playern demnach enorm. Im November 2024 teilte beispielsweise KPMG mit, in den nächsten vier Jahren 100 Millionen US-Dollar für Dienstleistungen im Bereich KI für Unternehmen durch eine Partnerschaft mit Alphabets Google Cloud ausgeben zu wollen.
„Es sollte ein höheres Budget freigegeben werden, sodass andere Software verfügbar gemacht werden kann.“
Steuerexperte (Inhouse)
Aber auch in anderen großen Beratungshäusern wird stetig investiert: „Mein Arbeitgeber fördert die Einbindung von Tax-Tech-Lösungen, indem er dem Mandanten technische Lösungen anbietet und die Mitarbeitenden gezielt schult“, sagt ein Steuerexperte aus einer Big-Four-Einheit. Tech-Affinität und -Skills etablieren sich als Fähigkeiten der Zukunft, was die Zufriedenheit der Steuerexpert:innen steigern kann. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber:innen aufpassen, dass alle Steuerexpert:innen mitgenommen werden. Digital Literacy lautet das Stichwort.
Eine Frage der Effizienz
Sowohl Inhouse als auch innerhalb der Beratung gilt: Wer Mitarbeitende entsprechend digital schult, verspricht auch intern effizienter zu werden. Wer effizient arbeitet, ist meist zufriedener. Ganz besonders dann, wenn es um repetitive Dinge geht. „Repetitive Tätigkeiten werden von Robotern übernommen, erste Versuche mit KI-Anwendungen werden erprobt“, sagt ein Inhouse-Steuerexperte über die Digitalisierung von Steuerprozessen in seinem Unternehmen.
Ein Steuerexperte aus einer großen Sozietät gibt ebenfalls Einblicke in den Tax-Tech-Alltag: „Bei uns gibt es diverse Arbeitsgruppen, die Tax Tech für die gesamte Gruppe vorbereiten und ausrollen. Kleine Pilotgruppen besitzen die Freiheit, Tax Tech auszuprobieren und vor dem flächendeckenden Einsatz zu erproben“.
Berater:innen arbeiten an einer großen Bandbreite von Mandaten und Projekten, die sich in Umfang, oftmals im Branchenfokus und in steuerlichen Fragestellungen stark unterscheiden. Nicht zuletzt liegt es im Geschäftsmodell, der Mandantschaft eigene technische Lösungen oder die von Kooperationspartnern anzubieten. Die Tax-Tech-Verwertungskette verläuft in aller Regel von der Beratung nach Inhouse und nicht andersherum. Auch das kann ein Grund sein, warum Berater:innen in dem Bereich zufriedener sind als Inhouse-Steuerexpert:innen.
Inhouse wechseln Anforderungen und Anwendungsfälle seltener als in der Beratung. Dafür bewegen sich Steuerexperten hier in einem festen Unternehmensrahmen, wo das Business die Regeln vorgibt. Und gerade in wirtschaftlich trüben Zeiten hat kaum ein CFO die Spendierhosen an, wenn es um IT-Projekte in der Steuerabteilung geht.
Stabilität und Einheitlichkeit statt Wildwuchs
KI-Tools im Steuermarkt entwickeln sich in rasendem Tempo. Das allerdings fordert auch seinen Tribut. So wünschen sich vereinzelte Stimmen aus der JUVE-Steuerexperten-Umfrage, egal ob Beratungsgesellschaft oder Inhouse, mitunter eines: Stabilität und Einheitlichkeit von Programmen.
„Wir sollten seltener die verwendeten Systeme wechseln“, fordert ein Steuerexperte aus einer großen Beratungseinheit. „Ich wünsche mir stabilere Programme und eher eine Lösung, die möglichst viele Bereiche abdeckt“, sagt ein anderer. Auch ein Inhouse-Kollege fordert „weniger eigene Stand-Alone-Lösungen und die Integration von Tax in andere Anwendungen“.
Diese Aussagen betreffen nicht nur die eingesetzten Technologien, sondern haben auch Einfluss auf Steuerprozesse. Jedes zusätzliche Tool bedeutet Einarbeitung, Schnittstellenprobleme und potenzielle Systemwechsel. Langfristige Stabilität sowie Einheitlichkeit von Lösungen sind damit nicht nur technische Anforderungen, sondern ein entscheidender Faktor für Akzeptanz und Zufriedenheit.
„Wir sollten seltener die verwendeten Systeme wechseln!“
Steuerexperte (Beratung)
FEST STEHT:
Nicht die Technologie allein macht also zufrieden, sondern wie diese in die Kultur eines Unternehmens eingebettet ist. Maßgeblich sind hier auch (finanzielle) Ressourcen sowie Karriereperspektiven, die Steuerexpert:innen geboten werden können. Wer seine Mitarbeitenden stärker einbindet, den Nutzen kommuniziert und digitale Kompetenz als echte Karrierechance positioniert, kann Zufriedenheit und Akzeptanz deutlich steigern.
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